2016: Zehn Bücher, die bleiben

Tops2016

Wer das Jahr 2016 noch irgendwie retten möchte, der kann es vielleicht mithilfe der Literatur versuchen. 2016 war das Jahr eines Literaturnobelpreisträgers, der kein Literat ist, das Jahr, in dem das Ferrante-Fieber Deutschland erreicht hat und das Jahr einer sehr langweiligen Buchpreis-Longlist. Vor allem aber war 2016 ein Jahr mit guter Literatur. Hier sind die – natürlich wieder offiziell und objektiv ermittelten – zehn besten Veröffentlichungen dieses Jahres:

Christian Kracht: Die Toten
Ein neuer Kracht-Roman ohne Kontroverse? Das geht nicht. Hat sich auch Jürgen Kaube gedacht und seinem Kollegen Scheck ans Bein gepinkelt. Kracht lässt sich von so viel Streitlust nicht beeindrucken und hat mit „Die Toten“ den Roman des Jahres geschrieben.

Thomas Glavinic: Der Jonas-Komplex
Weil Thomas Glavinic immer so viel Thomas Glavinic sagt, glaubt die deutschsprachige Kulturlandschaft Thomas Glavinic würde nur über Thomas Glavinic schreiben. Auch „Der Jonas-Komplex“ ist wieder deutlich schlauer als seine Leser.

Jörg Magenau: Princeton 66
Wer sich immer schon geärgert hat, zu jung und untalentiert zu sein, um auf eine Tagung der Gruppe 47 eingeladen worden zu sein, sollte „Princeton 66“ lesen. Aus Jörg Magenaus großartigem Buch qualmt Grass’scher Pfeifendampf.

Don DeLillo: Zero K
Don DeLillo schreibt seit mehr als 40 Jahren großartige Bücher und scheint im Alter noch besser zu werden. Auch „Zero K“ ist wieder radikal und groß.

Anja Kümmel: V oder die vierte Wand
Anja Kümmels Roman „V oder die vierte Wand“ zu lesen, heißt Geschichte noch mal ganz anders zu denken. In einer Fülle von Zukunftsvisionen, die 2016 erdacht worden sind, ist „V“ ein echtes Highlight.

Chaim Noll: Schlaflos in Tel Aviv
„Schlaflos in Tel Aviv“ versammelt Erzählungen, die jede für sich, aber vor allem in ihrer intelligenten Anordnung wirken und ein facettenreiches Bild von deutsch-jüdischer Identität gestern, heute und morgen vermitteln. Chaim Nolls Erzählband ist der beste des Jahres.

Shida Bazyar: Nachts ist es leise in Teheran
Das vielleicht beste und vielversprechendste Debüt des Jahres hat Shida Bazyar vorgelegt: „Nachts ist es leise in Teheran“ ist brillant strukturiert, poetisch, hochaktuell und zeitlos zugleich. Bitte mehr davon!

Maxim Biller: Biografie
Ja, Maxim Biller ist umstritten. Die Lektüre seines 900 Seiten starken Monumentalromans „Biografie“ ist aber ohne Frage ein Vergnügen. Voll klugem Humor und dabei bitterernst, inspiriert von Roth und Bellow, aber mit unverwechselbarem Biller-Sound – das schaffen nicht viele.

Nis-Momme Stockmann: Der Fuchs
Dystopien und Endzeitphantasien haben Konjunktur. Stockmanns „Fuchs“ wagt nicht nur das fiktionale Denkexperiment der Apokalypse, sondern auch ein poetologisches Experiment. Im wahrsten Sinne des Wortes: fantastisch!

Deborah Vietor-Engländer: Alfred Kerr. Die Biographie
Alfred Kerr war der Reich-Ranicki der späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik: Geliebt, gefürchtet, bewundert, geschätzt. Endlich kommt er dank Deborah Vietor-Engländer zu einer wohlverdienten Biographie, die seine Bedeutung für die deutschsprachige Literatur und das Theater des 20. Jahrhunderts verdeutlicht, genauestens recherchiert ist und einen Einblick in das Werk des Großmeisters gibt.

3 Kommentare

  1. Pingback: Die Besten und Schönsten 2016 | SchöneSeiten

  2. Davon habe ich nur „Nachts ist es leise in Teheran“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/11/26/nachts-ist-es-leise-in-teheran/ gelesen und meine Stimme für das „beste Debut“ abgegeben, von einigen der anderen Bücher habe ich gehört, sie sind aber (noch) nicht zu mir gekommen und beim Thomas Glavinic, der mir glaube ich bißchen zu männlich hart ist, bin ich nicht sicher, ob er mir gefallen würde, habe aber einiges andere von ihm gelesen, liebe Grüße aus Wien bezienhungsweise aus Harland bei St. Pölten und schöne 2017 er Bücher!

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