2016: Zehn Romane zum Vergessen

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Ein weiteres Jahr geht zu Ende. Pünktlich zu Weihnachten scheuern sich die deutschen B-Promis auf den Ledercouchen der öffentlich-rechtlichen Sender die Hintern wund, um auf ein schauderhaftes Jahr zurückzublicken, während das Feuilleton und Literaturblogs die besten Publikationen des Jahres Revue passieren lassen. Doch ist 2016 nicht auch genauso auch die Summe seiner literarischen Ärgernisse und Enttäuschungen? Hier daher die offizielle, total objektive und allgemeingültige Liste der schlechtesten Bücher 2016.

Ela Angerer: Und die Nacht prahlt mit Kometen
Ela Angerer hat sich mit ihrem zweiten Roman „Und die Nacht prahlt mit Kometen“ den inoffiziellen ersten Platz auf dieser Liste redlich verdient. Angerers literarischer Komet ist dermaßen misslungen, dass Bruce Willis und Ben Affleck mit dessen Sprengung beauftragt wurden.

Gomes/Thermann: Berge, Quallen
Nervt Sie nicht auch manchmal diese verdammte Spannung in Krimis? Geht Ihnen Nachvollziehbarkeit auf den Zeiger? War Ihnen Bedeutung schon immer ein Graus? Mit ihrer Idee, einen langweiligen und unverständlichen Kriminalroman zu schreiben, haben sich Gomes/Thermann einen echten Ehrenplatz auf dieser Liste verdient.

Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes
Wer seine verlorene Männlichkeit noch mal so richtig beweinen möchte, bevor er seiner arbeitenden Ehefrau die Pausenbrote schmiert, der ist bei Michael Kumpfmüller gut aufgehoben. In „Die Erziehung des Mannes“ gerät nicht nur der Mann, sondern auch die Literatur in Not.

Eugen Ruge: Follower
Früher hat Opa von früher erzählt, jetzt erzählt er von der Zukunft. Eugen Ruges dystopischer Ausflug liest sich wie eine Horrorvision, die eine Runde Achtzigjähriger am Stammtisch entworfen hat.

Tilman Rammstedt: Morgen mehr
Tilman Rammstedts Roman „Morgen mehr“ war als Ereignis gedacht und ist als Bauchlandung geendet. Die Publikationsgeschichte dieses Klamaukstücks gleicht der Idee, zehn Folgen „Verbotene Liebe“ zusammenzuschneiden und als Kinofilm herauszubringen.

Roland Schimmelpfennig: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts
Auch wenn er fast schon vergessen scheint, soll Roland Schimmelpfennigs prosaischer Gehversuch nicht unerwähnt bleiben. Mit preußischer Kargheit und deutschem Bierernst hat sich dieser Roman redlich bemüht, allen die Lust an der Literatur zu verderben.

Thea Dorn: Die Unglückseligen
Thea Dorns „Die Unglückseligen“ ist der feuchte Traum eines Studienrates. Verstrebt, lehrer-lustig wie ein WDR-Kabarettabend und mit der analytischen Schärfe eines Richard David Precht-Youtube-Schnipsels.

Benjamin von Stuckrad-Barre: Panikherz
Stuckrad-„Stucki“-Barre hat Harald Schmidt mit Thomas Gottschalk, Oasis mit Udo Lindenberg ersetzt und scheint nun ein glücklicher Mensch zu sein. Was eine tolle Geschichte für eine Markus Lanz-Runde wäre, muss nicht direkt gute Literatur sein. Mit „Panikherz“ hat der talentierte Autor leider die Selbstentblößungstherapie bei Dr. Knausgard gebucht.

Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern
„Am Ende bleiben die Zedern“ scheitert nicht am Plot, sondern an der literarischen Umsetzung: Die Erzählinstanz erklärt sich selbst und wiederholt sich ständig, die sprachlichen Bilder oszillieren zwischen Kitsch und Klischee. Jarawan ist vielleicht begandeter Poetry Slammer, ein begnadeter epischer Erzähler ist er (noch) nicht.

Nele Pollatschek: Das Unglück anderer Leute
Nele Pollatscheks Familiengeschichte liest sich, als sei sie an einem feucht-fröhlichen Abend am Stammtisch erdacht worden, bei dem jeder noch einen draufsetzen wollte: ‚Hey, wäre es nicht witzig, wenn die Ich-Erzählerin richtig unsympathisch ist, am Ende jemand herausfindet, das seine Eltern Geschwister sind, und dann sterben alle?‘ Naja. Dieser Debütroman ist leider zu schrill, zu laut, zu überdreht.

4 Kommentare

  1. Gute Liste! Ich habe mir vorhin meinen goodreads-Jahresrückblick angesehen. Bei einigen Büchern hatte ich schon vergessen, dass ich sie gelesen habe. Auch kein gutes Zeichen…

  2. Pingback: Die Besten und Schönsten 2016 | SchöneSeiten

  3. Einiges davon habe ich glesen und habe Ela Angerers Buch https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/12/17/und-die-nacht-prahlt-mit-kometen/ beispielsweise besser, als ihr Debut https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/12/27/bis-ich-21-war/ gefunden, vielleicht weil ich mir das Wien der Neunzehnachtzigerjahre, das sie beschreibt, gut vorstellen konnte und mir der autobiografsche Roman, den sie vorher schrieb zu heftig schien und es wahrscheinlich sehr bedauerlich wäre, wenn das alles real erlebt wurde und manches davon widerspricht ja auch dem Strafgesetz.
    Hier denke ich, war wohl wieder viel Erlebtes dabei, die bürgerliche Herkunft vermutlich und die Geschichte von der Frau, die sich zuerst gegen ihren serbischen Freund nicht wehren kann, sich dann aber emanzipiert, ist wohl auch realistisch, um in den Literaturkanon zu gelangen, wahrscheinlich nicht stark genug, obwohl ich bei einer Diskussion auf der „Buch-Wien“ beinahe etwas anderes hörte.
    Nelle Pollatscheks Roman https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/12/04/das-unglueck-anderer-leute/ habe ich sehr interessiert gelesen und ihn am Anfang für ein großartiges Debut gefunden, ab der Stelle, wo auf zwanzig Seiten dann der Rest der Welt zu sterben beginnt, gehört er wohl überarbeitet und nochmals geschrieben, aber auf alle Fälle eine starke literarische Stimme und interessant, was da noch kommen wird.
    Dann habe ich noch im Rahmen meines „Buchpreisbloggens“, das ich auch heuer intensiv betrieben habe, das Kupfmüller Buch xhttps://literaturgefluester.wordpress.com/2016/10/05/die-erziehung-des-mannes/ gelesen und erstaunt festgestellt, daß ich mich an den Inhalt gar nicht mehr erinnern kann, also wars wahrscheinlich weder gut noch schlecht sondern durchschnittlich und auf der LL des dBp.
    Die anderen Bücher habe ich nicht gelesen, von Theo Dorns Roman auf dem blauen Sofa in Leipzig gehört und mir gedacht, daß das wahrscheinlich eher ein Mainstreamroman für den Massengeschmack ist.
    Den Tillmann Rammstet habe ich mir, um meinen Geburtstagsgutschein gekauft und bin gespannt auf das Lesen, das Experiment hat mich sehr interessiert, den „Kaiser von China“ https://literaturgefluester.wordpress.com/2009/02/09/der-kaiser-von-china/ habe ich sehr übertrieben gefunden, obwohl mir die Lesung beim „Bachmannpreis“ daraus gefallen hat, also werde ich wohl etwas Ähnlich übertriebes zu erwarten haben.
    Liebe Grüße aus Wien und schönes Lesen im nächsten Jahr!

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