2017: Zehn Bücher zum Vergessen

Auch in diesem Jahr gab es neben manchen Highlights wieder diejenigen Bücher, die einen fast um den Verstand gebracht, einen gequält und gepeinigt haben. Bei manch einem Buch war die Katastrophe schon fast mit eingeplant, andere sind mit großen Vorschusslorbeeren eingegangen und haben dann umso mehr enttäuscht. Hier also die wie immer völlig objektive und ultimative Liste der schlechtesten Bücher des Jahres 2017:

Mareike Krügel: Sieh mich an
Laut der FAZ hat Mareike Krügels „Sieh mich an“ sehr viel Geld gekostet. Geld, das man auch für zehn gute Romane hätte ausgeben können. Vielleicht für einen lustigen Betriebsausflug. Oder für neue Bürostühle. Für einen hundertjährigen Vorrat an Klopapier. Oder ein paar Boxer, die einem mal so richtig eine reinhauen. Eigentlich für alles, außer dieser verlegerischen Bruchlandung.

Birgit Müller-Wieland: Flugschnee
In ihrem neuen Roman erzählt Birgit Müller-Wieland von einem verlorenen Sohn, einer dementen Großmutter, von einer Abtreibung, akademischem Karrieredruck, von einem Geflüchteten und den bürokratischen Hürden der Beantragung seines Asyls und von Schnee, sehr viel Schnee. Wie es dieses uninspirierte, überladene Weihnachtskammerspiel auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte, bleibt unklar.

Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo
In ihrem nach einem Atommüllendlager in Finnland benannten Roman versuchte Kerstin Preiwuß in diesem Jahr, den ganz großen Themen des Lebens – Tod, Liebe, Sinnsuche und Identität – im kleinstbürgerlichen Milieu irgendwo in Brandenburg mit Humor auf den Grund zu gehen. Sie scheitert. Auf die Longlist des Deutschen Buchpreises hat es “Nach Onkalo” wohl nur geschafft, weil er ganz nebenbei auch ein Post-Wende-Roman ist, und davon müssen bekanntlich mindestens 3 vertreten sein.

Jochen Schmidt: Zuckersand
Wenn es um halbphilosophische Gemeinplätze geht, kommt in Deutschland eigentlich keiner an Herbert Grönemeyer vorbei, der schon vor Jahren das lange ungeklärte Geheimnis, warum der Mensch jetzt eigentlich Mensch heißt, löste. Jochen Schmidt hat sich aber trotzdem mächtig angestrengt und es geschafft mit „Zuckersand“ einen Roman zu schreiben, der genauso simpel ist wie die Charaktere, die ihn bevölkern. Nach der Ebbe kommt übrigens die Flut.

Tijan Sila: Tierchen Unlimited
Die Freude über die Tatsache, mit “Tierchen Unlimited” nicht einen weiteren Erstling eines Schreibschulabsolventen vor sich zu haben, verfliegt schnell: Dieser Debütroman mit seiner Aneinanderreihung von Slapstick-Kalauern, der an keinem Punkt zu einer eigenen Erzählstimme findet, ist überdreht, seltsam, unlustig.

Heinz Strunk: Jürgen
„Jürgen“ ist nicht einfach nur ein Flop, sondern ein echtes Ärgernis: Nach dem großartigen „goldenen Handschuh“, das Segnungen von ganz oben bekam, war das Parkett für eine steile Schriftstellerkarriere gelegt. Leider hat Heinz Strunk einmal in die Schublade geguckt, einen halbfertigen Text gefunden und dachte daraus ein Surfbrett machen zu können, mit dem er die Hypewelle reiten kann. Wurde aber leider nur eine Gummiente.

Volker Weidermann: Träumer
Wow, was für ein Rausch! Diese Träumer! Diese verrückten Wilden mit ihren politischen Sperenzchen! Weidermann, der sonst in seinem Moderationsstil zu nicht allzu viel Elan neigt, hat wohl eines Morgens zu tief in die Gummibären-Tüte geschaut und ein völlig überzuckertes Buch über die Münchner Räterepublik geschrieben. Schade um eine zu wenig beachtete Episode der deutschen Geschichte, die einen politischeren Ansatz gebraucht hätte.

Maren Wurster: Das Fell
Ein weiterer Ich-bin-Berlin-so-satt-und-meine-Beziehung-läuft-auch-sehr-schlecht-Roman mit Landflucht-Garantie, einem Selbstfindungsroadtrip an die Ostsee und ein paar schiefen Kafka-Bezügen. Das beste an diesem Buch: Es ist nur 160 Seiten lang.

Hanya Yanagihara: Ein wenig Leben
Wer noch einen Beweis dafür braucht, dass literarische Hypes völlig kontingent entstehen, der wird ihn in diesem Buch finden. „Ein wenig Leben“ ist ein etwas angehiptes, ansonsten völlig monotones und redundant-erzähltes Machwerk, das das grundlose Leiden seines Hauptcharakters derart voyeuristisch ausschlachtet, dass irgendwann selbst Mel Gibson der Appetit vergeht. „Ein wenig Leben“ ist eine moderne Passionsgeschichte, in der keinerlei Versprechen mehr auf Transzendenz liegt, sondern die nur noch der reinen Lust am Leid folgt. Ein literaturbetrieblicher Totalschaden und für jeden etwas, der gerade seinen Bußgürtel verlegt hat.

Juli Zeh: Leere Herzen
Auf die Frage, für was oder wen sie bereit sei zu sterben, hat Juli Zeh neulich bei „Druckfrisch“ die Antwort gegeben: Für ihre Kinder.. und vielleicht für ihre Pferde. Der gleiche Wendy-Redakteur, der ihr diesen Satz aufgeschrieben hat, hat wohl auch ihren neusten Roman verfasst, der derart kreuzdämlich vage Gegenwartsdiagnosen zusammenwürfelt, dass man schon bald selbst professioneller Selbstmordattentäter werden möchte.

5 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, ich fand „Sieh mich an“ zwar depressiv, aber nicht schlecht. Das ende fand ich etwas …naja…aber sonst war es durchaus ein lesenswertes Buch. Aus meiner Sicht.

  2. Ich habe als Dave Eggers Fan der ersten Stunde „Bis an die Grenze“ ausgesetzt. Ich war sooo dermaßen enttäuscht und genervt von dem Buch … ich habe es noch nicht mal bis zu Ende gelesen.

  3. Pingback: [Notiz]: Meine besten 2017 – Lesen macht glücklich

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