Auftakt zum 16. internationalen literaturfestival berlin: The Poetry Project

ILB2016

Heute Abend wird das 16. internationale literaturfestival in Berlin mit einem Vortrag des argentinischen Schriftstellers César Aira offiziell eröffnet. Bis zum 17. September werden auf rund 365 Veranstaltungen etwa 200 Autoren und Autorinnen aus ihren Werken lesen, aber auch über aktuelle Problematiken diskutieren. Im Fokus stehen dabei die Gefahren des Terrorismus und des Populismus.

Den Auftakt machte gestern Abend die Vorveranstaltung „The Poetry Project“, bei dem sechs junge Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Iran ihre Gedichte vortrugen. Gelesen wurde in ihren Landessprachen mit anschließender deutscher Übersetzung. Sie alle, der jüngste 14 Jahre, der älteste gerade einmal 18 Jahre alt, kamen allein vor etwa einem Jahr nach Deutschland. Mehrere Monate lang begleitete und förderte das Poetry Project die jungen Lyriker, die in ihren Gedichten ihre Sehnsucht nach der Heimat, der Familie, ihre Fluchterfahrungen und ihre Eindrücke vom Leben in Deutschland zum Ausdruck bringen.

Das Schlauchboot sank, und mein heißes Herz für Europa wurde kalt.

Es ist beeindruckend, wie stark die Ausdruckskraft der Bilder ist, die einige der jungen Dichter gefunden haben. Sie vermitteln darin, so Jan Russezki richtig in seinem Artikel für die FAZ, einen Teil ihrer Kultur, „denn obwohl die jugendlichen Dichter zum Teil ihre ersten Gedichte verfassen und nicht immer eine kontinuierliche Bildung genossen haben, zeigen die Texte, in welcher kulturellen Tradition sie stehen. Ähnlich wie die bekanntere persische Dichtung wirken diese Gedichte erzählend und prosaisch ohne den Gedichtcharakter zu verlieren.“ Besonders poetisch ist das Gedicht von Yasser Niksada, dem mit 14 Jahren jüngsten Teilnehmer des Poetry Projects, über die Flucht über das Mittelmeer nach Europa, aber auch die Verse des 17-jährigen Samiullah Rassouli über das andere Geschlecht:

Einige Frauen bleiben zuhause, sie lösen sich auf und werden zu Wasser.
Und diejenigen, die rausgehen, werden zu Brot und Speisen.

Zum „Poetry Project“ (weitere Informationen und Videos gibt es hier), das von Susanne Koelbl, der Auslandskorrespondentin des SPIEGEL, mitinitiiert wurde, gibt es während des gesamten internationalen literaturfestivals eine kleine Ausstellung in der Kassenhalle des Festspielhauses Berlin.
Eine Auswahl der Gedichte stellt Koelbl in ihrem Artikel im SPIEGEL vor.
Der Beitrag des ARD Nachtmagazins zur Veranstaltung im Rahmen des literaturfestivals ist in der ARD Mediathek verfügbar.

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