Alle Artikel vonTabitha

Hakan Tezkans „Den Kern schluckt man nicht“: Wie der Vater, so der Sohn?

Der Text, mit dem Hakan Tezkan im Jahr 2015 beim 23. open mike antrat, war mit „Wolf“ übertitelt. Gewonnen haben damals andere, aber entmutigen ließ Tezkan, der am Deutschen Literaturinstitut studierte, sich davon nicht. Nun veröffentlicht er, knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Lesung im Heimathafen Neukölln, seinen nur knapp über 100 Seiten kurzen Debütroman „Den Kern schluckt man nicht“ im Elif Verlag. Weiterlesen

Verbotene Liebe? Lisa Kreißlers „Das vergessene Fest“

Der Wald ist eines der bedeutendsten, wenn nicht das zentrale topographische Motiv der deutschen Literaturgeschichte. Von den Brüdern Grimm über Kleist bis zu Gegenwartsautorinnen und -autoren wie Reinhard Kaiser-Mühlecker oder Jovana Reisinger bietet er Raum für Romantik und Idylle, für Archaisches und Mythisches, aber auch für Furcht und Schrecken. In Lisa Kreißlers neuem Roman ist der Wald all dies zugleich. Weiterlesen

Wlada Kolosowas „Fliegende Hunde“: Im russischen Rione

Seit einigen Jahren hat die Gegenwartsliteratur weltweit ein neues Lieblingsmotiv entwickelt: Immer mehr Erfolgsromane erzählen von weiblichen Frauenfreundschaften, irgendwo zwischen tiefster Verbundenheit und immerwährender Rivalität. Bei Ferrante heißen sie Lila und Lenù, bei Zadie Smiths  Roman „Swing Time“ sind es die Ich-Erzählerin und Tracey, „The Mothers“, das grandiose Debüt der Amerikanerin Brit Bennett, das Ende April bei Rowohlt in deutscher Übersetzung erscheinen wird, erzählt von Nadia und Aubrey – bei Wlada Kolosowas Debütroman „Fliegende Hunde“ heißen die Protagonistinnen Lena und Oksana. Weiterlesen

Hans Joachim Schädlichs „Felix und Felka“: Malende Touristen

Künstlerromane liegen seit über 200 Jahren im literarischen Dauertrend: Von Ludwig Tieck über Gottfried Keller, von Émile Zola über Hermann Hesse bis hin zu den Bestsellern unserer Zeit – Kehlmanns „Ich und Kaminski“ oder zuletzt „Max“ von Markus Orths  – schildert die Literatur das Schicksal von bildenden Künstlern, mal umfassend als Bildungsroman, mal ausschnittartig in Fragmenten. Hans Joachim Schädlichs neuer Roman widmet sich nun einem Künstlerpaar: Felix Nussbaum und Felka Platek. Weiterlesen

Michael Chabons „Moonglow“: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Paratext

Chabon-Moonglow

Michael Chabon ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Der amerikanische Schriftsteller zählt zu den bedeutendsten, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Vertretern seines Landes. Sein jüngstes Werk „Moonglow“ erschien 2016 im englischen Original und wird Anfang März in deutscher Übersetzung bei Kiepenheuer & Witsch verfügbar sein. Chabon schildere darin, so sein deutscher Verlag in der Ankündigung, „Episoden aus der Lebensgeschichte seines Großvaters“. Ein autobiographischer Roman – oder doch nicht? Weiterlesen

Nadja Spiegelmans „I‘m supposed to protect you from all this“: Meine geniale Mutter

Spiegelman-Memoir

„What Ferrante did for female friends—exploring the tumult and complexity their relationships could hold — Spiegelman sets out to do for mothers and daughters. She’s essentially written ‚My Brilliant Mom’“, konstatiert Katy Waldman in ihrer Rezension zu Nadja Spiegelmans Memoir, das im März unter dem Titel „Was nie geschehen ist“ im Aufbau Verlag in deutscher Übersetzung erscheinen wird. Wird Spiegelman diesem Maßstab wirklich gerecht? Weiterlesen

Bernhard Schlinks „Olga“: Kein weites Feld

Mit seinem „Vorleser“ bescherte Bernhard Schlink der deutschen Literatur Mitte der 1990er Jahre einen der seltenen weltweiten Bestseller: Sein Roman wurde in 45 Sprachen übersetzt, schaffte es auf die berüchtigte Bestsellerliste der New York Times und wurde folgerichtig mit Hollywoodbesetzung verfilmt. Obwohl Schlink danach sieben weitere Bücher veröffentlichte, blieb es bei dem internationalen One-Hit-Wonder. Kein anderer seiner Romane konnte einen vergleichbaren Erfolg erzielen. Wie sieht es also mit der achten Veröffentlichung nach dem „Vorleser“ aus? Weiterlesen

Aharon Appelfelds „Meine Eltern“: Der letzte Sommer

Appelfeld-Meine Eltern

Aharon Appelfeld, der 1932 als Erwin Appelfeld bei Czernowitz geboren wurde, gehört zu den wichtigsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. Nur wenige Wochen vor seinem Tod Anfang Januar 2018 ist sein Roman „Meine Eltern“ in der deutschen Übersetzung von Mirjam Pressler erschienen. Darin erinnert er den letzten Sommerurlaub mit seinen Eltern in einer Welt von gestern. Weiterlesen

Getrennte Schwestern: Yaa Gyasis „Heimkehren“

Die Anzahl der Filme und Bücher, die sich mit der Geschichte der Sklaverei, insbesondere in den USA, auseinandersetzen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2014 wurde „12 Years a Slave“ als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, erst unlängst gewann Colson Whitehead mit seinem Roman „Underground Railroad“ den Pulitzer Price for Fiction. Ein weiterer Roman, der das Zeug hat, in den Kanon einzugehen, stammt von einer erst 28-jährigen Debütantin: Yaa Gyasi hat einen epischen Roman geschrieben, der 250 Jahre afrikanisch-amerikanische Geschichte erzählt. Weiterlesen

2017: Zehn Bücher zum Vergessen

Auch in diesem Jahr gab es neben manchen Highlights wieder diejenigen Bücher, die einen fast um den Verstand gebracht, einen gequält und gepeinigt haben. Bei manch einem Buch war die Katastrophe schon fast mit eingeplant, andere sind mit großen Vorschusslorbeeren eingegangen und haben dann umso mehr enttäuscht. Hier also die wie immer völlig objektive und ultimative Liste der schlechtesten Bücher des Jahres 2017: Weiterlesen