Alle Artikel vonTabitha

Anfang oder Ende? Julia Wolfs „Walter Nowak bleibt liegen“

Wolf-Walter Nowak bleibt liegen

Bei den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur im letzten Sommer las Julia Wolf in Klagenfurt ihren Text „Walter Nowak bleibt liegen“. Mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis wurde sie nicht ausgezeichnet, wohl aber mit dem 3sat-Preis. Nun ist unter dem gleichen Titel der vollständige Roman erschienen. Weiterlesen

Wie Gott in Frankreich: Anne Webers „Kirio“

Weber-Kirio

„Nichts ist sicher in diesem funkensprühenden Roman, der von einem Wunderwesen und dessen Wanderungen quer durch Frankreich bis nach Deutschland erzählt. Ein moderner Schelmenroman voller Sprachphantasie und Komik.“ So begründet die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse die Nominierung von „Kirio“, dem neuen Roman von Anne Weber. Gewonnen hat am Ende Natascha Wodin. Vielleicht, weil der Text sich nicht als Schelmenroman, sondern als „Heiligenlegende“ versteht, wie es der Klappentext verkündet? Weiterlesen

Wurzellos: Natascha Wodins „Sie kam aus Mariupol“

Wodin: Sie kam aus Mariupol

Texte zwischen Fiktion und autobiographischem Schreiben haben Konjunktur. Nachdem Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ im letzten Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und von vielen schon als sicherer Gewinner gehandelt wurde, wurde Natascha Wodin mit ihrem Buch „Sie kam aus Mariupol“ nun mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: „Dieses Buch trägt auch ausdrücklich nicht die Bezeichnung Roman. Doch an der Grenze von Fiktion und Nichtfiktion, wo es angesiedelt ist, betreibt es autobiografisches Schreiben mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und romanhaftes Schreiben auf der Grundlage von Lidias Tagebüchern. In diesem genreüberschreitenden Sinn ist es unerhört zeitgenössisch.“ Zeitgenössisch – ja, sicher. Aber wie ist es um den literarischen Wert dieses Textes bestellt? Weiterlesen

Von Damaskus nach Berlin: Olga Grjasnowas „Gott ist nicht schüchtern“

Grjasnowa_Gott ist nicht schüchtern

Wie nah darf und wie nah muss Literatur sein? Darf man von ungeheurem Leid erzählen, wenn man es selbst nicht erlebt hat? Und wie kann man das Unaussprechliche verbalisieren? Olga Grjasnowa, die neuerdings bei Aufbau verlegt wird, erzählt in ihrem dritten Roman „Gott ist nicht schüchtern“ die Geschichte einer jungen Frau und einem jungen Mann aus Syrien, vom Bürgerkrieg und der Flucht nach Europa. Weiterlesen

„Jenseits der Pässe“: Stephan Braeses Hildesheimer-Biographie

Braese_Hildesheimer

Max Frisch, Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Christa Wolf  – über die Stars der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur, deren Werke noch heute zu den meistgelesenen und meistbeforschten gehören, gibt es viele Lebensbilder. Einige von ihnen gerieten aber zunehmend in Vergessenheit, obwohl ihr Rang nicht weniger relevant war. Zu ihnen gehört Wolfgang Hildesheimer. Dabei ist seine Biographie eine der spannendsten. Der Literaturwissenschaftler Stephan Braese hat anlässlich des 100. Geburtstags von Hildesheimer eine umfassende Biographie vorgelegt. Weiterlesen

»Die meisten Figuren sind das, was sie tun.« Blogbuster-Kandidatin Chrizzi Heinen im Gespräch

Chrizzi_Heinen

Chrizzi Heinen steht mit ihrem Text „Das schwarze Loch“ auf der Longlist des Blogbuster-Preises 2017. Überzeugt hat die Berlinerin mit einem ungewöhnlichen Plot, einer Erzählstimme mit Wiederkennungswert, mit Humor und Mut zu formellen Spielereien. Nun hat sie Auskunft über ihr künstlerisches Schaffen, ihre literarischen Vorbilder und den Schreibprozess gegeben. Weiterlesen

Eichhörnchen in Bomberjacken: Tijan Silas „Tierchen unlimited“

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Tijan Sila und sein Ich-Erzähler haben viel gemeinsam. Sie stammen beide aus Sarajewo, beide flüchten 1994 vor dem Krieg nach Deutschland und leben dort zunächst in der Pfalz, später studieren sie beide in Heidelberg. Autobiographische Kurzschlüsse liegen da nah, vor allem weil diese Art der Texte, die sich zwischen Fiktion und Fakten nicht recht entscheiden mögen, im Trend liegen. Mit „Tierchen unlimited“ legt Sila, der als Berufsschullehrer arbeitet, seinen Debütroman vor. Eine klassische Migrationsgeschichte aus Kinderperspektive? Keineswegs. Weiterlesen

Gewachsen auf Beton: Fatma Aydemirs „Ellbogen“

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Berlin ist grau, und der Berliner Wedding ganz besonders. Spätestens seit den Boateng-Brüdern, die es „herausgeschafft“ haben, ist der Arbeiterbezirk auch deutschlandweit bekannt. Hier lebt die 17-jährige Hazal, die aus einer unmittelbaren Ich-Perspektive in Fatma Aydemirs Debütroman „Ellbogen“ vom Sommer erzählt, in dem sie ihren 18. Geburtstag feiert, bis zur Eskalation.  Weiterlesen

Darf’s noch ein bisschen mehr sein? Hanya Yanagiharas „Ein wenig Leben“

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Neben Elena Ferrantes neapolitanischer Saga hat wohl kaum ein Roman in den USA in den letzten Jahren einen so großen medialen Hype ausgelöst wie „A little life“, der zweite Roman der amerikanischen Schriftstellerin Hanya Yanagihara. Beide Werke teilen die epische Länge – bei Ferrante zweitausend Seiten, immerhin auf vier Bände verteilt, im Fall von „A little Life“ knapp tausend Seiten am Stück – und in gewisser Weise auch die Thematik: Es sind die Geschichten lebenslanger Freundschaften. Während der eine Roman die Geschichte zweier Frauen aus dem italienischen Rione von ihrer Kindheit in den fünfziger Jahren an bis in die Gegenwart rekonstruiert, erzählt „A little life“ von vier Männern, die sich zu Collegezeiten in New York kennenlernen und ihr Leben lang verbunden bleiben. Nun ist „Ein wenig Leben“ in deutscher Übersetzung von Stephan Kleiner erschienen. Schwappt der Hype aus den USA rüber?

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Heul doch, Satre! Elif Shafaks „Der Geruch des Paradieses“

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Als „Stimme der türkischen Literatur“ wird Elif Shafak auf dem Buchumschlag ihres neuen Romans „Der Geruch des Paradieses“ bezeichnet. Aber die Istanbulerin ist mehr als nur Literatin. In den letzten Monaten fällt sie immer wieder in Interviews, mit Artikeln und Essays (hier oder hier oder hier zum Beispiel) als politische Person auf, die die aktuellen Entwicklungen in ihrem Heimatland kommentiert und analysiert. In „Der Geruch des Paradieses“ thematisiert Shafak die gesellschaftlichen Zustände in der Türkei anhand einer Frauenfreundschaft. Weiterlesen