Alle Artikel vonTabitha

Michael Chabons „Moonglow“: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie den Paratext

Chabon-Moonglow

Michael Chabon ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Der amerikanische Schriftsteller zählt zu den bedeutendsten, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Vertretern seines Landes. Sein jüngstes Werk „Moonglow“ erschien 2016 im englischen Original und wird Anfang März in deutscher Übersetzung bei Kiepenheuer & Witsch verfügbar sein. Chabon schildere darin, so sein deutscher Verlag in der Ankündigung, „Episoden aus der Lebensgeschichte seines Großvaters“. Ein autobiographischer Roman – oder doch nicht? Weiterlesen

Nadja Spiegelmans „I‘m supposed to protect you from all this“: Meine geniale Mutter

Spiegelman-Memoir

„What Ferrante did for female friends—exploring the tumult and complexity their relationships could hold — Spiegelman sets out to do for mothers and daughters. She’s essentially written ‚My Brilliant Mom’“, konstatiert Katy Waldman in ihrer Rezension zu Nadja Spiegelmans Memoir, das im März unter dem Titel „Was nie geschehen ist“ im Aufbau Verlag in deutscher Übersetzung erscheinen wird. Wird Spiegelman diesem Maßstab wirklich gerecht? Weiterlesen

Bernhard Schlinks „Olga“: Kein weites Feld

Mit seinem „Vorleser“ bescherte Bernhard Schlink der deutschen Literatur Mitte der 1990er Jahre einen der seltenen weltweiten Bestseller: Sein Roman wurde in 45 Sprachen übersetzt, schaffte es auf die berüchtigte Bestsellerliste der New York Times und wurde folgerichtig mit Hollywoodbesetzung verfilmt. Obwohl Schlink danach sieben weitere Bücher veröffentlichte, blieb es bei dem internationalen One-Hit-Wonder. Kein anderer seiner Romane konnte einen vergleichbaren Erfolg erzielen. Wie sieht es also mit der achten Veröffentlichung nach dem „Vorleser“ aus? Weiterlesen

Aharon Appelfelds „Meine Eltern“: Der letzte Sommer

Appelfeld-Meine Eltern

Aharon Appelfeld, der 1932 als Erwin Appelfeld bei Czernowitz geboren wurde, gehört zu den wichtigsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. Nur wenige Wochen vor seinem Tod Anfang Januar 2018 ist sein Roman „Meine Eltern“ in der deutschen Übersetzung von Mirjam Pressler erschienen. Darin erinnert er den letzten Sommerurlaub mit seinen Eltern in einer Welt von gestern. Weiterlesen

Getrennte Schwestern: Yaa Gyasis „Heimkehren“

Die Anzahl der Filme und Bücher, die sich mit der Geschichte der Sklaverei, insbesondere in den USA, auseinandersetzen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2014 wurde „12 Years a Slave“ als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, erst unlängst gewann Colson Whitehead mit seinem Roman „Underground Railroad“ den Pulitzer Price for Fiction. Ein weiterer Roman, der das Zeug hat, in den Kanon einzugehen, stammt von einer erst 28-jährigen Debütantin: Yaa Gyasi hat einen epischen Roman geschrieben, der 250 Jahre afrikanisch-amerikanische Geschichte erzählt. Weiterlesen

2017: Zehn Bücher zum Vergessen

Auch in diesem Jahr gab es neben manchen Highlights wieder diejenigen Bücher, die einen fast um den Verstand gebracht, einen gequält und gepeinigt haben. Bei manch einem Buch war die Katastrophe schon fast mit eingeplant, andere sind mit großen Vorschusslorbeeren eingegangen und haben dann umso mehr enttäuscht. Hier also die wie immer völlig objektive und ultimative Liste der schlechtesten Bücher des Jahres 2017: Weiterlesen

Gabriel Tallents „My Absolute Darling“: Die Wildnis der Westküste

Von „Ein wenig Leben“ über „Und es schmilzt“, von „Dann schlaf auch du“ bis zum „Inzest-Tagebuch“ – zu den meist diskutierten Texten dieses Jahres gehören Bücher, die Tabus brechen und ihre Leser mit dem verhandelten Stoff und expliziten Beschreibungen von Gewalt an ihre Grenzen bringen. In den USA erschien im August mit „My Absolute Darling“ ein Romandebüt, das im deutschen Literaturbetrieb bislang wenig Beachtung findet, aber genau jenem literarischen Trend der Neuen Tabulosigkeit entspricht.

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Kevin Kuhns „Liv“: So nah und doch so fern

Es ist der kollektive Traum einer Generation: Immer mehr junge Menschen brechen nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium auf, um auf Weltreise zu gehen. Ob Backpacking durch Südostasien oder Work-and-Travel in Australien und Neuseeland – was verspricht, besonders exotisch zu sein, haben schon Abertausende erlebt. Die Routen sind mehr oder minder vorgegeben, alle besuchen die gleichen Partyhostels, den gleichen vermeintlich abgelegenen Wasserfall: Die abenteuerliche Weltreise hat immer schon jemand vorher erlebt, bereits ein Selfie auf Instagram, Facebook oder einem Travelblog gepostet. Auch die titelgebende Protagonistin von Kevin Kuhn macht sich auf den Weg, um die Welt zu bereisen. Für „Liv“ gibt es jedoch kein Zurück. Weiterlesen

100 Jahre Mutter sein: Ada Dorians „Schlick“

Von den Buddenbrooks bis zu Haratischwilis Epos „Das achte Leben“ – die Familiensaga hat Tradition und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Kaum ein anderes Genre ermöglicht es dem Leser, so tief in die literarische Fiktion einzutauchen, wie es der Familienepos vermag. Das liegt vor allem an der erzählerischen Dichte, den motivischen Details und der Ausführlichkeit, die auch und vor allem über die Länge der erzählten Zeit ein scheinbar vollständiges, ‚wirkliches‘ Bild zeichnet. Auch Ada Dorian erzählt in ihrem neuen Roman „Schlick“ von einer Familie, von zwei Müttern und einem Jahrhundert, mit einem Unterschied jedoch: In ihrer Familiengeschichte dominieren die Zäsuren und das Ungesagte.

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Alte neue Denkräume: Die Benjamin-Brecht-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste

Treffen sich zwei Intellektuelle zum Schachspielen … So könnte auch ein schlechter Gelehrtenwitz beginnen. Gemeint sind in diesem Fall aber niemand geringeres als einer der wichtigsten Denker der Moderne – Walter Benjamin – und einer der bedeutendsten deutschsprachigen Literaten des 20. Jahrhunderts – Bertolt Brecht. Ihrer Freundschaft und dem gemeinsamen Schaffen hat die Akademie der Künste in Berlin nun eine Ausstellung gewidmet. Weiterlesen