Kategorie: Briefwechsel

Peter Suhrkamp/Annemarie Seidel: Der schlichte Ostfriese

Suhrkamp-Briefwechsel

Der Begriff „Suhrkamp“ hat eine merkwürdige Unverhältnismäßigkeit produziert: Wer heute „Suhrkamp“ sagt, denkt zunächst „Unseld“. Das mag daran liegen, dass Siegfried Unseld in einer neuentstandenen Medienumwelt es besonders verstand, sich in Szene zu setzen oder aber, dass der Verlag erst unter seiner Regentschaft zu einer Kulturinstitution von Weltruhm geworden ist. Logischer wäre freilich bei Suhrkamp zunächst an Suhrkamp zu denken, an eben Peter Suhrkamp, Gründer des Verlags. Als Leiter des in Deutschland verbliebenen Teil des S. Fischer-Verlags – nachdem Bermann Fischer aufgrund der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten ins Exil gehen musste – baute er seine Hausmacht aus, die er schließlich ausspielte, als nach dem Krieg zwischen Suhrkamp und Fischer Lizenz-Streitigkeiten ausbrachen. Mit Brecht und Hesse hatte Peter Suhrkamp ein echtes Pfund für den Start gewinnen können; die zwei Autoren ebneten den Weg für eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. Trotz des allzu hell strahlenden Unseld-Sterns möchte das Berliner Verlagshaus das Andenken Suhrkamps hochhalten. Wie mit dem nun erschienen Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau Annemarie Seidel. Weiterlesen

Der Briefwechsel: Marcel Puntilla und sein Knecht Rühmkorf

Ranicki-Rühmkorf

Als 1974 der FAZ-Literaturchef Marcel Reich-Ranicki an den damals zwar bekannten, aber keineswegs erfolgreichen Schriftsteller Peter Rühmkorf schrieb, war dieser Brief mit einem Versprechen verbunden, das Jahrzehnte Bestand haben sollte: „Was das Finanzielle betrifft: Sie können sich sicher sein, daß ich Sie so gut behandeln werde, wie Sie es verdienen – und ich meine das nicht etwa ironisch.“ Das mag einem prosaisch vorkommen, aber tatsächlich hat es den Autor mit ermöglicht. Rühmkorf schrieb in all der Zeit viel und eifrig für die FAZ und konnte so jene Phasen überbrücken, die nicht mit Literaturpreisen gepflastert waren. Der in diesem Jahr publizierte Briefwechsel zwischen Literaturpapst und Lyrikkönig wirft ein Licht auf zwei zentrale Personen der deutschen Nachkriegsliteratur, aber noch viel mehr auf ein gut geöltes Literaturfördersystem unter Reich-Ranickis Ägide. Weiterlesen

Joseph Roth und der Kampf gegen den Antichrist – Briefwechsel mit Stefan Zweig

roth_zweig

Briefwechsel – vor allem Literaten-Briefwechsel – sind eine intrikate Sache. Der Leser erwartet von der Korrespondenz zweier Geistesmenschen Diskussionen über Fundamentales, Epochenzeugnisse und Einblicke in das Werk beider Autoren. Was dann aber häufig dominiert, sind Schmeicheleien, seitenlange Auskünfte über körperliche Befindlichkeiten und Terminabsprachen über Treffen, die dann entweder nicht zustande kommen oder über dessen Inhalte der Leser im Unklaren bleibt. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig (1927-1938) bewegt sich im Dazwischen.

Joseph Roth ist 1927 gerade viel auf Reisen, während Stefan Zweig seine Sternstunden veröffentlicht. Der Briefwechsel der Beiden lässt sich in vielerlei Weise erzählen: als Zeugnis einer Freundschaft, als Beispiel für den ökonomischen Überlebenskampf einer Autorenexistenz, als Verfallsdrama oder als Geschichte der politischen Irrtümer. Weiterlesen