Kategorie: Literatur 19. Jahrhundert

Gustav Freytag: Soll und Nicht-Wahrhaben?

soll und haben

In Veit Harlans viel zu wirkungsmächtigen Film „Jud Süß“ gibt es eine Szene, in der Joseph Süß Oppenheimer per Kutsche durch württembergisches Land fährt und an der Straßenseite mit einem Hofbesitzer in ein Wortgefecht gerät. Das suggerierte Thema des Gesprächs ist der Streit zwischen dem erzürnten Volk und korrupter jüdischer Obrigkeit, um die erhobenen Steuern. Worauf der Film aber eigentlich hinaus will: Den Juden Oppenheimer im Motiv der Straße fassen, den deutschen Bauern im Gutsbesitz – dort das mobile Kapital, auf der anderen Seite der fest im vaterländischen Boden verwurzelte Hof. Flüchtig und liquide vs. stetig und substantiell. Die Bildtradition dieser Zuschreibung führt natürlich zu Wilhelm Hauffs „Jud Süß“-Stoff, aber auch zu Gustav Freytag.

Dessen 1855 veröffentlichte Roman „Soll und Haben“ war einer der Bestseller seiner Zeit. Weiterlesen