Kategorie: Literatur 19. Jahrhundert

Ferdinand von Saars „Leutnant Burda“: „Heute würde man ihn wohl einen Stalker nennen.“

Es ist ein kurzer Weg vom ‚Leutnant Burda‘ zum ‚Leutnant Gustl‘“, schlussfolgert Daniela Strigl im Nachwort zum nun im Kampa Verlag wiederaufgelegten „Leutnant Burda“. Geschrieben hat die Novelle Ferdinand von Saar, ein österreichischer Klassiker des 19. Jahrhunderts, der über die Landesgrenzen hinaus mittlerweile fast vergessen ist. Mit dem „Leutnant Gustl“ wird hingegen jedes zweite deutschsprachige Schulkind konfrontiert, Arthur Schnitzler gilt als der Stellvertreter der Wiener Moderne. Worin besteht dieser kurze Weg zwischen dem Literaturweltstar Arthur Schnitzler und dem Österreichischen Insider Ferdinand von Saar? In Sachen Bekanntheit trennt sie ein ganzer Marathon, auch was die ästhetische Avanciertheit betrifft. Doch wenn es um die Darstellung des Manischen geht, dann ist von Saar ganz Wiener. Weiterlesen

Gustav Freytag: Soll und Nicht-Wahrhaben?

In Veit Harlans viel zu wirkungsmächtigen Film „Jud Süß“ gibt es eine Szene, in der Joseph Süß Oppenheimer per Kutsche durch württembergisches Land fährt und an der Straßenseite mit einem Hofbesitzer in ein Wortgefecht gerät. Das suggerierte Thema des Gesprächs ist der Streit zwischen dem erzürnten Volk und korrupter jüdischer Obrigkeit, um die erhobenen Steuern. Worauf der Film aber eigentlich hinaus will: Den Juden Oppenheimer im Motiv der Straße fassen, den deutschen Bauern im Gutsbesitz – dort das mobile Kapital, auf der anderen Seite der fest im vaterländischen Boden verwurzelte Hof. Flüchtig und liquide vs. stetig und substantiell. Die Bildtradition dieser Zuschreibung führt natürlich zu Wilhelm Hauffs „Jud Süß“-Stoff, aber auch zu Gustav Freytag.

Dessen 1855 veröffentlichte Roman „Soll und Haben“ war einer der Bestseller seiner Zeit. Weiterlesen