Kategorie: Literaturkultur

»Die meisten Figuren sind das, was sie tun.« Blogbuster-Kandidatin Chrizzi Heinen im Gespräch

Chrizzi_Heinen

Chrizzi Heinen steht mit ihrem Text „Das schwarze Loch“ auf der Longlist des Blogbuster-Preises 2017. Überzeugt hat die Berlinerin mit einem ungewöhnlichen Plot, einer Erzählstimme mit Wiederkennungswert, mit Humor und Mut zu formellen Spielereien. Nun hat sie Auskunft über ihr künstlerisches Schaffen, ihre literarischen Vorbilder und den Schreibprozess gegeben. Weiterlesen

Chrizzi Heinens „Das schwarze Loch“: Der Blogbuster-Roman von Zeilensprünge

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Es ist soweit: der Favorit, mit dem Zeilensprünge in den Blogbuster-Wettbewerb ziehen wird, steht fest. Nach der eingängigen Prüfung, zahllosen Diskussionen und einigen grauen Haaren ist die Wahl auf einen Text gefallen. „Das schwarze Loch“ heißt er und stammt von der Berliner Autorin Chrizzi Heinen. Darin beschreibt sie, wie Ich-Erzählerin Hildi ein ungewöhnliches Erbe antritt: Ein schwarzes Loch wird in ihrem Badezimmer installiert. Während schlechte Texte das Unfassbare gnadenlos ausschlachten würden, ist das astronomische Phänomen in „Das schwarze Loch“ ein stiller, saugkräftiger Begleiter der Geschichte einer Freundschaft, einer Liebe, einer Stadt. Weiterlesen

Blogbuster: Die Erkundung der eigenen Fähigkeiten

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Mit dem Jahreswechsel startete auch der Blogbuster-Wettbewerb in eine zweite, entscheidende Phase. Nachdem sich am Ende insgesamt 250 Bewerbungen aufgestapelt hatten, geht es nun ans Sichten, Manuskripte anfordern und sich entscheiden. Fünfzehn Blogger suchen nach dem nächsten großen Talent, nicht ohne Risiko. Denn der deutschsprachige Literaturbetrieb ist ein feinmaschiges Netz, das Talent schon da entdeckt, wo es erst zu keimen beginnt. Die Schreibschulen haben nicht zuletzt dazu beigetragen, dass jungen Autoren meist schon in einem frühen Stadium die Vollversorgung der Agenturen zuteil wird. Was werden beim Wettbewerb also für Texte eingereicht? Eine kleine Einsicht in den Blogbuster-Stapel von Zeilensprünge. Weiterlesen

2016: Zehn Bücher, die bleiben

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Wer das Jahr 2016 noch irgendwie retten möchte, der kann es vielleicht mithilfe der Literatur versuchen. 2016 war das Jahr eines Literaturnobelpreisträgers, der kein Literat ist, das Jahr, in dem das Ferrante-Fieber Deutschland erreicht hat und das Jahr einer sehr langweiligen Buchpreis-Longlist. Vor allem aber war 2016 ein Jahr mit guter Literatur. Hier sind die – natürlich wieder offiziell und objektiv ermittelten – zehn besten Veröffentlichungen dieses Jahres:

Christian Kracht: Die Toten
Ein neuer Kracht-Roman ohne Kontroverse? Das geht nicht. Hat sich auch Jürgen Kaube gedacht und seinem Kollegen Scheck ans Bein gepinkelt. Kracht lässt sich von so viel Streitlust nicht beeindrucken und hat mit „Die Toten“ den Roman des Jahres geschrieben.

Thomas Glavinic: Der Jonas-Komplex
Weil Thomas Glavinic immer so viel Thomas Glavinic sagt, glaubt die deutschsprachige Kulturlandschaft Thomas Glavinic würde nur über Thomas Glavinic schreiben. Auch „Der Jonas-Komplex“ ist wieder deutlich schlauer als seine Leser.

Jörg Magenau: Princeton 66
Wer sich immer schon geärgert hat, zu jung und untalentiert zu sein, um auf eine Tagung der Gruppe 47 eingeladen worden zu sein, sollte „Princeton 66“ lesen. Aus Jörg Magenaus großartigem Buch qualmt Grass’scher Pfeifendampf.

Don DeLillo: Zero K
Don DeLillo schreibt seit mehr als 40 Jahren großartige Bücher und scheint im Alter noch besser zu werden. Auch „Zero K“ ist wieder radikal und groß.

Anja Kümmel: V oder die vierte Wand
Anja Kümmels Roman „V oder die vierte Wand“ zu lesen, heißt Geschichte noch mal ganz anders zu denken. In einer Fülle von Zukunftsvisionen, die 2016 erdacht worden sind, ist „V“ ein echtes Highlight.

Chaim Noll: Schlaflos in Tel Aviv
„Schlaflos in Tel Aviv“ versammelt Erzählungen, die jede für sich, aber vor allem in ihrer intelligenten Anordnung wirken und ein facettenreiches Bild von deutsch-jüdischer Identität gestern, heute und morgen vermitteln. Chaim Nolls Erzählband ist der beste des Jahres.

Shida Bazyar: Nachts ist es leise in Teheran
Das vielleicht beste und vielversprechendste Debüt des Jahres hat Shida Bazyar vorgelegt: „Nachts ist es leise in Teheran“ ist brillant strukturiert, poetisch, hochaktuell und zeitlos zugleich. Bitte mehr davon!

Maxim Biller: Biografie
Ja, Maxim Biller ist umstritten. Die Lektüre seines 900 Seiten starken Monumentalromans „Biografie“ ist aber ohne Frage ein Vergnügen. Voll klugem Humor und dabei bitterernst, inspiriert von Roth und Bellow, aber mit unverwechselbarem Biller-Sound – das schaffen nicht viele.

Nis-Momme Stockmann: Der Fuchs
Dystopien und Endzeitphantasien haben Konjunktur. Stockmanns „Fuchs“ wagt nicht nur das fiktionale Denkexperiment der Apokalypse, sondern auch ein poetologisches Experiment. Im wahrsten Sinne des Wortes: fantastisch!

Deborah Vietor-Engländer: Alfred Kerr. Die Biographie
Alfred Kerr war der Reich-Ranicki der späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik: Geliebt, gefürchtet, bewundert, geschätzt. Endlich kommt er dank Deborah Vietor-Engländer zu einer wohlverdienten Biographie, die seine Bedeutung für die deutschsprachige Literatur und das Theater des 20. Jahrhunderts verdeutlicht, genauestens recherchiert ist und einen Einblick in das Werk des Großmeisters gibt.

2016: Zehn Romane zum Vergessen

Ein weiteres Jahr geht zu Ende. Pünktlich zu Weihnachten scheuern sich die deutschen B-Promis auf den Ledercouchen der öffentlich-rechtlichen Sender die Hintern wund, um auf ein schauderhaftes Jahr zurückzublicken, während das Feuilleton und Literaturblogs die besten Publikationen des Jahres Revue passieren lassen. Doch ist 2016 nicht auch genauso auch die Summe seiner literarischen Ärgernisse und Enttäuschungen? Hier daher die offizielle, total objektive und allgemeingültige Liste der schlechtesten Bücher 2016. Weiterlesen

Philip Roths & Ewan McGregors „American Pastoral“: Die naive Nation

Philip Roths „American Pastoral“ gehört zu den bedeutenden Klassikern der modernen amerikanischen Literatur. Wie bei jedem Klassiker gibt es auf der einen Seite die Sehnsucht nach einer Verfilmung und auf der anderen Seite die Behauptung der Unverfilmbarkeit. Nun hat es Ewan McGregor gewagt und scheint damit – wie der Großteil der Kritiken glauben machen will – auf die Nase gefallen zu sein. Dabei stand die Produktion von Beginn an unter keinem guten Stern. Kurz vor den Dreharbeiten sprang der eigentlich vorgesehene Regisseur ab, womit McGregor in die Situation kam, sich bei seinem Regiedebut gleich mit Philip Roth zu messen. Tatsächlich ist die Verfilmung allenfalls Anlass, den Roth-Text noch einmal aufzuschlagen; das ist dann aber in jedem Fall ein Ereignis. Weiterlesen

open mike 2016: Die junge Literatur kapert den Heimathafen

Einmal im Jahr verwandelt sich der Neuköllner Heimathafen von einem Veranstaltungssaal für Kiez-Comedy, Konzerte und Kleinkunst zur Weihestätte der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. An einem kalten Novemberwochenende versammelte sich die Berliner Literaturszene und vollzog den 24. open mike. Neben dem Klagenfurter Ingeborg Bachmann-Preis kann sich der open mike selbstbewusst als der wichtigste Literaturwettbewerb verstehen, für die Veranstalter war es das erste Mal unter dem neuen Namen „Haus der Poesie“. Während die Jury wohl lange nicht mehr so namhaft besetzt war, musste der Zuhörer bei den gelesenen Texten dieses Jahr viel Mittelmaß über sich ergehen lassen. Gewinner wurden trotzdem gekürt: Was sagen sie über den Zustand der jungen Gegenwartsliteratur aus? Weiterlesen

Her mit den Manuskripten! Blogbuster 2017

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Vor uns liegen spannende Monate, denn »Zeilensprünge« ist unter den 15 Literatur-Blogs, die gemeinsam auf literarische Talentsuche gehen. Auf den Gewinner wartet ein Romandebüt im Hause Klett-Cotta. Wir freuen uns auf gute Texte und eine tolle Zeit! Weiterlesen

Der GOLEM kommt! Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin

Der Golem ist die wahrscheinlich bekannteste jüdische Legendenfigur. Selbst wer die populären Verarbeitungen des Golem-Mythos aus dem frühen 20. Jahrhundert – Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“, der zwischen 1913 und 1914 als Fortsetzungsroman erschien und die drei Golem Stummfilme von Paul Wegener von 1914, 1917 und 1920 – nicht kennt, ist zumindest mit dem Motiv oder den modernen Adaptionen vertraut: Sie sind Teil des Pokémon- oder des Marvel-Universums, seine Attribute sind in diversen modernen Filmfiguren enthalten. Das Jüdische Museum Berlin hat dem Golem nun eine großartige, differenziert-durchdachte und abwechselungsreiche Ausstellung gewidmet, die sich dem literarischen Mythos, seinen diversen Bearbeitungen und den zeitgenössischen Adaptionen widmet. Weiterlesen

Berliner Rede zur Poesie: „Was nicht gesagt ist“

Normalerweise ist das Rote Rathaus in Berlin ein Ort für uninspirierte Politik und wüste Bürokratie, doch am Montag, den 12. September, hielt die Literatur Einzug in die zwischen Prunk und DDR-Plaste tendierenden Hallen. Wer eingeladen war, besuchte am Anfang des Abends eine Veranstaltung der Literaturwerkstatt und verließ das Rathaus als Gast des Hauses für Poesie. Denn der Abend stand gleich unter zwei Sternen: es sollte die erste Berliner Rede zur Poesie von Oswald Egger gehalten und gleichzeitig die Umbenennung der Literaturwerkstatt gefeiert werden, mit dem der Verein seiner immer stärker werdenden Ausrichtung als Ort für Lyrik Ausdruck verleiht. Auch wenn mit dem regierenden Bürgermeister Michael Müller echte Politprominenz vor Ort war, gegenüber Oswald Egger sahen sie alle blass aus. Weiterlesen