open mike, Tag 3: Zielgerade und Preisverleihung

open mike danach

Der finale Sonntag des 23. open mike begann in aller Frühe um 11 Uhr mit gleich drei Lyrikern. Nach einer etwa einstündigen Besprechung wurden um etwa 15.30 Uhr, 1,5 Stunden nachdem der letzte Finalist Philipp Enders seinen Text „meerzwiebel“ las, die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben.

 

Die Texte des 23. open mike in einem Satz:

Tobias Lewkowicz: Gedichte. Seine vier Gedichte bestehen aus Wortfeldern oder -ketten, in denen binären Oppositionsgruppen wie „Tod und Leben“, „Ost und West“ dominieren und die in schriftlicher Form vertikal angeordnet sind, um die Zufälligkeit und Varianz der Sinnerzeugung inszenieren. [Zur Livekritik]

Arnold Maxwill: Hoppers Transformation. Maxwills Gedichte beziehen sich jeweils auf die zugeordneten Gemälde von Edward Hopper und thematisieren diese nicht inhaltlich, sondern in ihrer Anordnung und Struktur. [Zur Livekritik]

Lilli Sachse: Gedichte. Anekdotische Gelegenheitslyrik auf Pointe hin geschrieben in prosaischer Sprache. [Zur Livekritik]

Margarita Iov: Mögliche Pfade. Ein Ich befindet sich in einer ländlichen Einöde, einem Landstrich fast ohne Menschen, und dokumentiert das Schreiben auf metapoetische Weise. [Zur Livekritik]

Bettina Wilpert: Alex, Selfie. Auf einer Reise mit ihrem Freund Lorenz nach Murmansk trifft das Ich Aslanbek, einen muslimischen Verfolgten aus Tschetschenien, der Erinnerungen in Form von Instagram-Fotos sammelt. [Zur Livekritik]

Toby Dax: Many fine Writers have not been sent to Prison. Ein manisches Ich erzählt von seinem Versuch, Inspiration für einen Jahrhundertroman zu finden und versucht dazu, ins Gefängnis zu kommen. [Zur Livekritik]

Anja Braunwieser: Pumpgun. Der gelesene Text ist eine Collage aus verschiedenen Szenen aus dem vorweihnachtlichen Leben von Alexander, der frustrierter Fotograf ist und an der Kunsthochschule lehrt. [Zur Livekritik]

Philipp Enders: meerzwiebel. Thematisiert wird die Vergangenheit und das Verhältnis von Dylan und seiner Mutter Katharina, die inzwischen dement ist und von ihrem Sohn gepflegt wird. [Zur Livekritik]


Die Preiträger des 23. open mikes:

Prosa: Jessica Lind

Begründung der Jury: „Eine einfache und doch existenzielle Geschichte, in einer einfachen, klaren Sprache, die Sicherheit verheißt – und dann, plötzlich, in ganz feinen Nuancen bricht das Unheimliche in diese vermeintlich geordnete Welt hinein. In einer der Figuren tut sich ein Abgrund auf, aus dem es zu uns herausleuchtet. Ein magischer Realismus, der bald zum manischen Realismus wird und eine geisterhafte, aber verbindliche Imagination schafft. Eine Frau bekommt ein Kind – und alles ändert sich, das Verhältnis zu sich und den anderen, zum Leben selbst. Selten ist der Schock, Mutter zu werden, so ungewöhnlich und subtil beschrieben worden wie in Jessica Linds Erzählung „Mama.“

Prosa: Theresia Töglhofer

Begründung der Jury: „Der eine Prosapreis geht an einen sehr gegenwärtigen Text, der es schafft, über das Heute zu erzählen, ohne sich an die Tagesaktualität oder an eine Trendigkeit anzubiedern. Der jung ist, nicht pubertär. Der sich einer genauen und verbindlichen Sprache bedient, mit der er eine hohe Spannung erzeugt. Der uns mit dem ebenso traurigen wie befreienden Gedanken versorgt, dass es kein Leben ohne „vielleicht“ gibt.

Lyrik: Andra Schwarz

Begründung der Jury: „Den open-mike-Lyrikpreis vergeben wir für Gedichte, eigentlich einen Gedichte-Zyklus, der in überzeugender, dichter und eigenständiger Sprache den Wesen und dem Wesen eines Landstriches nachspürt – seinen Grenzen und seiner Ganzheit: Der Lyrikpreis 2015 geht an Andra Schwarz.“

Kommentar verfassen