Schlagwort: 18. Jahrhundert

Christoph Ransmayrs „Cox“: Wie schnell die Zeit vergeht

Ransmayr Cox

Er hat es schon wieder getan. Den neuen Kracht-Roman „Die Toten“ rief Denis Scheck zum Epochenumbruch aus und behauptete, er würde für die Literatur das bedeuten, was der Tonfilm für den Film bedeutete. Das hört sich gut an, zumindest beim ersten Lesen. Beim zweiten Mal muss man sich fragen, ob der Tonfilm den Film insgesamt wirklich qualitativ auf eine andere Ebene hob oder nicht nur die Bedingungen des Films veränderte. Und wenn das so ist, welche Bedingungen nun wegen „Die Toten“ für die Literatur anders ausfallen. Schecks Neigung zur Spitze nach oben wie nach unten mag einem liegen oder nicht, in jedem Fall fällt er neuerdings dadurch auf, die Latte besonders hoch zu legen. Christoph Ransmayrs neuen Roman „Cox oder der Lauf der Zeit“ hat Scheck folgerichtig bereits zum potentiellen Welterfolg erklärt und damit mal wieder einem Verlag eine Freude gemacht. Wie liest sich also ein solcher Welterfolg? Weiterlesen

Steffen Martus: Die Entzauberung der Aufklärung

Die Aufklärung ist die Epoche, in der der Mensch das selbstständige Denken gelernt hat. So besagt das Klischee. Doch während der Kant’sche Ausspruch vom Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit in jedermanns Ohr klingt und man Voltaire auch gerade noch in Sanssouci herumwandern sieht, ist die Aufklärung als Summe ihrer Akteure weitgehend in den akademischen Diskurs abgesunken. Wenn man dieses Zeitalter als jenes begreift, das den Westen als politisches Projekt definiert hat, dann lohnt ein Blick zurück, gerade in Zeiten, wo dieses Projekt zur Disposition steht. Dieser Aufgabe hat sich der Berliner Germanist Steffen Martus gestellt und ein vom Umfang monumentales Werk zu Papier gebracht, welches dem Image der Aufklärung einem nüchternen Blick entgegenstellt. Weiterlesen