Schlagwort: Aberland

Charlotte Roches „Mädchen für alles“: Literatur als Programmzeitschrift

Charlotte Roche hat kürzlich in einem Interview mit der FAZ beachtenswertes Kund getan: „Ich treffe bei Lesungen Leute, die sagen, dass sie es noch nie geschafft haben, ein Buch ganz durchzulesen, außer meins. Das heißt, ich erreiche Leute, die sonst nicht lesen.“ Sie hat damit ziemlich treffend ihre Rolle im Literaturbetrieb beschrieben. Die Bücher von Charlotte Roche zeigen der Kritik regelmäßig die Grenzen auf: So sehr das Feuilleton auch über ihre Bücher herfallen mag, sie verkaufen sich dennoch wie geschnitten Brot. Wenn man es positiv beschreiben wollte, hat man es hier also mit einer besonders mündigen Leserschaft zu tun. Im Umkehrschluss könnte dies aber auch bedeuten, die Kritik hat ihre Rolle als Literaturvermittlung – zumindest in diesem Fall – längst aufgeben müssen. Anstatt also auch ihren neusten Roman „Mädchen für alles“ in Bausch und Bogen zu verreißen, muss wohl eher der Versuch einer Annäherung an das Phänomen Roche gewagt werden. Weiterlesen

Gertraud Klemm: Das Leben im „Aberland“

In einem Interview mit der taz sagte Gertraud Klemm unlängst, die Österreicher hätten eine natürliche Neigung zum „auskotzen“. Wer einen Blick in ihren neusten Roman „Aberland“ wagt, nimmt ihr das sofort ab. Die österreichische Autorin hat es mit ihrer wütenden Suada gegen die Situation von Frauen in unserer Gesellschaft auf die Longlist zum deutschen Buchpreis geschafft. Doch was diesen Roman überzeugen lässt, ist wohl weniger eine ehrliche Wut als kluge Alltagsbeobachtungen.

„Aberland“ erzählt aus dem Leben von Franziska und ihrer Mutter Elisabeth. Beide Frauen kennzeichnet, dass sie verheiratet sind, Kinder haben und an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben die falschen Entscheidungen getroffen haben. In dem Moment, in welchem die Handlung einsetzt, haben sich Mutter und Tochter an ihrer beider Leben wundgerieben. Weiterlesen