Schlagwort: albanische Literatur

Ismail Kadares „Die Verbannte“: In einem Land ohne Rätsel

Nichts fürchtet ein Staat so sehr wie das Geheimnis – das Geheimnis einer gegnerischen Macht, aber auch das Geheimnis seiner eigenen Bürger, die immer im Verdacht stehen können, den eigenen Staat untergraben zu wollen. Dass das längst nicht mehr nur für paranoide Diktaturen gilt, hat der Fall Edward Snowden gezeigt, nichtsdestotrotz waren und sind es natürlich die totalitären Regime, die das Geheimnis besonders misstrauisch beäugen. Die Misstrauischsten unter den Staaten waren sicherlich die realsozialistischen Regime des Ostblocks – und auch wenn Albanien sich nicht zum Warschauer Pakt zugehörig fühlte, waren dessen Machthaber nicht minder versessen darauf, ihr eigenes Volk bis ins Kleinste auszuleuchten. Darüber, was es heißt, in einem Land ohne Geheimnisse zu leben, hat Ismail Kadare 2009 den Roman „Die Verbannte“ geschrieben, der nun im S. Fischer Verlag publiziert wurde. Weiterlesen

Ismail Kadares „Die Dämmerung der Steppengötter“: In der Höhle des Parteilöwens

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Der Staat Albanien spielt in der Weltgeschichte nur eine marginale Rolle. Jahrhundertelang war Albanien Teil des Osmanischen Reiches, im 20. Jahrhundert war es eingekeilt zwischen Groß- und Mittelmächten, schließlich errichtete der kommunistische Diktator Enver Hoxha eine stalinistische Herrschaft und trieb das kleine Land mehr und mehr in die Isolation. So wenig wie Albanien politisch Aufmerksamkeit geschenkt wurde, so wenig ist auch über dessen Kulturlandschaft bekannt. Eine der wenigen literarischen Leuchttürme, die aus dem Balkanstaat herausragen, ist Ismail Kadare. Kadare ist keineswegs unumstritten, sein literarisches Werk ist gleichzeitig kanonisch und trotzdem immer wieder vergessen worden. Der S. Fischer-Verlag hat nun seinen 1978 erschienen Roman „Die Dämmerung der Steppengötter“ wieder aufgelegt. Im literarischen Quartett rühmte Maxim Biller das Buch vor allem für seine melodische Sprache und den in ihm präsenten Weltschmerz, der nicht pessimistisch sei. Tatsächlich ist Kadares Roman ein Text über einen Außenseiter, der sich nicht einfügen will. Weiterlesen