Schlagwort: autobiographischer Roman

Isabelle Lehns „Frühlingserwachen“: Die Autofiktion wird erwachsen

Das Leben ist gut – solange wir es nicht daran messen, wie wir es uns vorgestellt haben. Isabelle Lehn schreibt über eine Frau namens Isabelle Lehn. Poetisch, selbstironisch und umwerfend offen.“ So lautet die kurze und knappe Verlagsankündigung zu Isabelle Lehns neuem Buch „Frühlingserwachen“. „Isabelle Lehn schreibt über eine Frau namens Isabelle Lehn“ klingt erst mal kryptischer als es sein müsste. Bei anderen Verlagen hieße es an dieser Stelle schließlich irgendwas von schonungslosem Einblick in das Leben der Autorin. Bei Knausgård sprach der Verlag von „radikaler Ehrlichkeit“. Wozu also diese distanzierende Formulierung? Und wer ist diese Isabelle Lehn, von der Isabelle Lehn erzählt? Weiterlesen

Thorsten Nagelschmidts: „Der Abfall der Herzen“: Monoton, trist-romantisch, irgendwie urban

Jeder möchte von sich glauben, sein eigener Lebensweg wäre etwas ganz besonderes, würde auf unbefahrenen Bahnen verlaufen, gleicht keinem anderen. Gleichzeitig gibt es wohl in jeder Generation Konstanten, die sich immer wiederholen. Früher waren das vielleicht mal kirchliche Initiationsriten wie die Kommunion/Konfirmation und der Wehrdienst. Und heute? Zwar trügt das Gefühl der Berliner Glasglocke, mittlerweile wohne eigentlich jeder in Berlin, trotzdem begegnet einem an jeder Ecke der Satz: „Ich zieh nach Berlin.“ Daran ist nun erst mal nichts verwerfliches, doch was macht das mit den Orten, die man zurücklässt? Und was sagt das über eine Stadt aus, die ja gerade das Versprechen birgt, Individualität frei ausleben zu können? Thorsten Nagelschmidt, ehemaliges Bandmitglied der Muff Potters, zieht literarische Linien durch seinen Lebensweg, der auch ein vorläufiges Ende in Berlin nimmt. Weiterlesen