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Benjamin von Stuckrad-Barres „Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“: Die Welt von Gestern

Mit „Panikherz“ ist Benjamin von Stuckrad-Barre eigentlich in eine neue Werkphase eingestiegen. Er war Popstar, Jungschriftsteller, TV-Talker, Feuilletonist, Drogenabhängiger – und dann musste der Stuckrad-Barre-Zug irgendwann die Notbremse ziehen. Lebenswandel, Drogenentzug, Selbsterforschung: Das Ergebnis war „Panikherz“, das nicht nur Seelenstriptease, sondern auch Epochenwandel sein sollte. Stuckrad-Barre, der wie kaum ein anderer für das kulturelle Klima der späten 90er/frühen Nullerjahre stand, beendete die große Zeit der Ironiker. Es hieß nun Thomas Gottschalk statt Harald Schmidt, Udo Lindenberg statt Oasis. Den literarischen Wert von „Panikherz“ kann man in Frage stellen, kulturhistorisch war es höchst interessant. Was nun jedoch mit „Ich glaub, mir geht’s nicht so gut, ich muss mich mal irgendwo hinlegen“ aus den letzten Jahren hinterherschwappt, zeigt wie schnell das Werk Stuckrad-Barres gealtert ist. Weiterlesen

2016: Zehn Romane zum Vergessen

Ein weiteres Jahr geht zu Ende. Pünktlich zu Weihnachten scheuern sich die deutschen B-Promis auf den Ledercouchen der öffentlich-rechtlichen Sender die Hintern wund, um auf ein schauderhaftes Jahr zurückzublicken, während das Feuilleton und Literaturblogs die besten Publikationen des Jahres Revue passieren lassen. Doch ist 2016 nicht auch genauso auch die Summe seiner literarischen Ärgernisse und Enttäuschungen? Hier daher die offizielle, total objektive und allgemeingültige Liste der schlechtesten Bücher 2016. Weiterlesen

Stuckrad-Barres „Panikherz“: Gegen die Ironie und für das Gefühl

Es ist ein seltenes Unglück, eine Buchbesprechung schon ganz zu Anfang mit einem Disclaimer versehen zu müssen. Das Sprechen über „Panikherz“ kann nur ein ungerechtes sein, was sich dieses Buch selbst eingebrockt hat. Denn Benjamin von Stuckrad-Barres neuster – ja, was eigentlich – Roman bzw. Autobiographie hat wohl vor allem eine selbstherapeutische Intention. In diesem Sinne kann man nur hoffen, dass es dem Autor geholfen hat, denn scheinbar stand es bei dem Schriftsteller mehrere Male Spitz auf Knopf, die letzte Ausfahrt zu nehmen. Wer sich „Panikherz“ mit einem voyeuristischen Interesse nähert, wird auf seine Kosten kommen, denn Stuckrad-Barre lüftet ausgiebig die eigene Bettdecke. Doch als literarischer Text muss das Buch auch anderen Kriterien standhalten: Schafft es der Text, die Geschichte seiner Figur soweit poetisch zu verdichten, dass daraus eine Generationengeschichte wird? Leider nicht – „Panikherz“ ist eher als Symptom zu lesen, denn hier wird wenig Literatur und viel Therapie betrieben. Weiterlesen