Schlagwort: Berlin Verlag

Kevin Kuhns „Liv“: So nah und doch so fern

Es ist der kollektive Traum einer Generation: Immer mehr junge Menschen brechen nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium auf, um auf Weltreise zu gehen. Ob Backpacking durch Südostasien oder Work-and-Travel in Australien und Neuseeland – was verspricht, besonders exotisch zu sein, haben schon Abertausende erlebt. Die Routen sind mehr oder minder vorgegeben, alle besuchen die gleichen Partyhostels, den gleichen vermeintlich abgelegenen Wasserfall: Die abenteuerliche Weltreise hat immer schon jemand vorher erlebt, bereits ein Selfie auf Instagram, Facebook oder einem Travelblog gepostet. Auch die titelgebende Protagonistin von Kevin Kuhn macht sich auf den Weg, um die Welt zu bereisen. Für „Liv“ gibt es jedoch kein Zurück. Weiterlesen

Kerstin Preiwuß’ „Nach Onkalo“: Es war einmal ein Muttersöhnchen

Während der eine Teil der diesjährigen Longlistromane von großen historischen Ereignissen erzählen – man denke da an den Schiffbruch in Franzobels „Floß der Medusa“ oder Zaimoglus Reformationsroman „Evangelio“ –, schlagen andere Romane eher die leiseren Töne an, erzählen die Geschichten einfacher Leute, die keine Helden sind, wie Julia Wolfs Walter Nowak oder Ingo Schulzes Peter Holtz. Zu letzterer Kategorie gehört auch „Nach Onkalo“. In ihrem zweiten Roman erzählt Kerstin Preiwuß von den großen Themen des Lebens in einem kleinbürgerlichen Milieu: dem Tod und dem Weiterleben. Weiterlesen

Gerhard Falkners „Romeo oder Julia“: Es kann nur einen geben

He did it again: Nachdem Falkner letztes Jahr schon sein Buch auf die Longlist des Deutschen Buchpreis hieven konnte, hat er es nun mit seinem neuen Roman „Romeo oder Julia“ auf die Shortlist geschafft. Letztes Jahr hatte er mit „Apollokalypse“ eine deutsche Mentalitätsgeschichte abgeliefert und über den Zusammenhang zwischen Eros und Zerstörungswut sinniert. Obwohl Falkners Buch zu den besseren Anwärtern auf der letztjährigen Liste zählte, merkte man „Apollokalypse“ auch die Schwierigkeiten an, die der Romandebütant mit einer Gattung hatte, die bislang nicht zu seinem Repertoire gehörte. Nun, mit „Romeo oder Julia“ sitzt Falkner schon deutlich fester im Sattel und arbeitet sich am Ereignisbegriff ab. Weiterlesen

Vermisst: Pierre Jarawans „Am Ende bleiben die Zedern“

Der Eine oder Andere wird Pierre Jarawan bereits kennen. Als Poetry Slammer feierte er in den vergangenen Jahren große Erfolge und wurde unter anderem im Jahr 2012 als Internationaler deutschsprachiger Meister im Poetry Slam ausgezeichnet. Nun wagt er sich an eine gänzlich andere Literaturform heran: Mit „Am Ende bleiben die Zedern“ legt Jarawan sein Romandebüt vor, in dem das Ich Samir auf die Suche nach seinem Vater geht, der die im deutschen Exil lebende, libanesische Familie unter mysteriösen Umständen verließ und ohne jede Spur verschwand. Weiterlesen

Zeruya Shalev: Der dunkle Pathos des Schmerzes

Die Frage, inwieweit ein einzelner Moment unser Leben verändern kann, berührt das menschliche Dasein bis ins Essentiellste. Daher würde man annehmen, dass auch jeder Mensch in gleichen Maßen davon betroffen ist. Allerdings gibt es Orte auf dieser Welt, in der das Schicksalshafte mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit in das Leben treten kann. Ein solcher Ort ist Israel: Immer wieder erschüttert von Terroranschlägen könnte hier das Nachdenken darüber, was das Narrativ des eigenen Lebens eigentlich zusammenhält, nicht virulenter sein. Diesem Thema hat sich Zeruya Shalev in ihrem neusten Roman „Schmerz“ versucht anzunähern. Weiterlesen