Schlagwort: China

Ma Jians »Traum von China«: Traum statt Trauma

Über Jahrzehnte gab es im Weltbewusstsein nur einen Traum, den amerikanischen. Er propagierte Aufstiegschancen für jeden, Freiheit von Unterdrückung und das Versprechen auf Selbstverwirklichung. Mit dem Aufstieg Chinas wird vom Präsidenten Xi Jinping ein weiterer Traum von Weltbedeutung formuliert: Wohlstand soll auch er bringen, aber vor allem soll er China wieder zu alter Größe verhelfen. Jahrhundertelang war das Kaiserreich China das wohl mächtigste Land der Welt, was in der europäischen Wahrnehmung deshalb häufig vergessen wird, weil sich das Reich der Mitte herzlich wenig für die größenwahnsinnigen Europäer interessierte. Dann folgte das schmachvolle 19. Jahrhundert, in dem China mehrfach von den Kolonialmächten gedemütigt wurde. Nun, nach der rasanten Aufstiegsgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, ist China wieder kurz davor Weltmacht zu werden. Weiterlesen

Christoph Ransmayrs „Cox“: Wie schnell die Zeit vergeht

Ransmayr Cox

Er hat es schon wieder getan. Den neuen Kracht-Roman „Die Toten“ rief Denis Scheck zum Epochenumbruch aus und behauptete, er würde für die Literatur das bedeuten, was der Tonfilm für den Film bedeutete. Das hört sich gut an, zumindest beim ersten Lesen. Beim zweiten Mal muss man sich fragen, ob der Tonfilm den Film insgesamt wirklich qualitativ auf eine andere Ebene hob oder nicht nur die Bedingungen des Films veränderte. Und wenn das so ist, welche Bedingungen nun wegen „Die Toten“ für die Literatur anders ausfallen. Schecks Neigung zur Spitze nach oben wie nach unten mag einem liegen oder nicht, in jedem Fall fällt er neuerdings dadurch auf, die Latte besonders hoch zu legen. Christoph Ransmayrs neuen Roman „Cox oder der Lauf der Zeit“ hat Scheck folgerichtig bereits zum potentiellen Welterfolg erklärt und damit mal wieder einem Verlag eine Freude gemacht. Wie liest sich also ein solcher Welterfolg? Weiterlesen