Schlagwort: Coming of Age

Hakan Tezkans „Den Kern schluckt man nicht“: Wie der Vater, so der Sohn?

Der Text, mit dem Hakan Tezkan im Jahr 2015 beim 23. open mike antrat, war mit „Wolf“ übertitelt. Gewonnen haben damals andere, aber entmutigen ließ Tezkan, der am Deutschen Literaturinstitut studierte, sich davon nicht. Nun veröffentlicht er, knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Lesung im Heimathafen Neukölln, seinen nur knapp über 100 Seiten kurzen Debütroman „Den Kern schluckt man nicht“ im Elif Verlag. Weiterlesen

Wlada Kolosowas „Fliegende Hunde“: Im russischen Rione

Seit einigen Jahren hat die Gegenwartsliteratur weltweit ein neues Lieblingsmotiv entwickelt: Immer mehr Erfolgsromane erzählen von weiblichen Frauenfreundschaften, irgendwo zwischen tiefster Verbundenheit und immerwährender Rivalität. Bei Ferrante heißen sie Lila und Lenù, bei Zadie Smiths  Roman „Swing Time“ sind es die Ich-Erzählerin und Tracey, „The Mothers“, das grandiose Debüt der Amerikanerin Brit Bennett, das Ende April bei Rowohlt in deutscher Übersetzung erscheinen wird, erzählt von Nadia und Aubrey – bei Wlada Kolosowas Debütroman „Fliegende Hunde“ heißen die Protagonistinnen Lena und Oksana. Weiterlesen

Nadja Spiegelmans „I‘m supposed to protect you from all this“: Meine geniale Mutter

Spiegelman-Memoir

„What Ferrante did for female friends—exploring the tumult and complexity their relationships could hold — Spiegelman sets out to do for mothers and daughters. She’s essentially written ‚My Brilliant Mom’“, konstatiert Katy Waldman in ihrer Rezension zu Nadja Spiegelmans Memoir, das im März unter dem Titel „Was nie geschehen ist“ im Aufbau Verlag in deutscher Übersetzung erscheinen wird. Wird Spiegelman diesem Maßstab wirklich gerecht? Weiterlesen

Gabriel Tallents „My Absolute Darling“: Die Wildnis der Westküste

Von „Ein wenig Leben“ über „Und es schmilzt“, von „Dann schlaf auch du“ bis zum „Inzest-Tagebuch“ – zu den meist diskutierten Texten dieses Jahres gehören Bücher, die Tabus brechen und ihre Leser mit dem verhandelten Stoff und expliziten Beschreibungen von Gewalt an ihre Grenzen bringen. In den USA erschien im August mit „My Absolute Darling“ ein Romandebüt, das im deutschen Literaturbetrieb bislang wenig Beachtung findet, aber genau jenem literarischen Trend der Neuen Tabulosigkeit entspricht.

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Das Trauma der Provinz: Lize Spits „Und es schmilzt“

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Wer die Debütromane der letzten Jahre verfolgte, der konnte beobachten, dass junge Autoren vor allem zwei Topographien bevorzugen: Die anonyme, kalte und brutale Großstadt wie in Fatma Aydemirs „Ellbogen“ oder das periphere Dorf, meist namenlos, zuletzt in Luise Maiers Debüt „Dass wir uns haben“ und Andreas Mosters „Wir leben hier, seit wir geboren sind“. Auch die flämische Literatur hat eine Vorliebe für die Provinz. Einer der erfolgreichsten Romane der letzten Jahre ist Lize Spits Debüt „Und es schmilzt“, der von einem Sommer in einem belgischen Dorf erzählt, der für die Ich-Erzählerin alles verändern soll. Weiterlesen

Eichhörnchen in Bomberjacken: Tijan Silas „Tierchen unlimited“

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Tijan Sila und sein Ich-Erzähler haben viel gemeinsam. Sie stammen beide aus Sarajewo, beide flüchten 1994 vor dem Krieg nach Deutschland und leben dort zunächst in der Pfalz, später studieren sie beide in Heidelberg. Autobiographische Kurzschlüsse liegen da nah, vor allem weil diese Art der Texte, die sich zwischen Fiktion und Fakten nicht recht entscheiden mögen, im Trend liegen. Mit „Tierchen unlimited“ legt Sila, der als Berufsschullehrer arbeitet, seinen Debütroman vor. Eine klassische Migrationsgeschichte aus Kinderperspektive? Keineswegs. Weiterlesen

André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“: Nur Eitelkeit auf Erden

Skizze eines Sommers

Und täglich grüßt das Murmeltier: keine Longlist des Deutschen Buchpreises ohne seinen DDR-Roman. Das ist kein Grund zu klagen, schließlich gehört die ostdeutsche Republik zur gesamtdeutschen Vergangenheit. Doch André Kubiczeks „Skizze eines Sommers“ erinnert in frappierender Weise an Peter Richters „89/90“, das im letzten Jahr einen Platz auf der Longlist bekam. Daher drängt sich die Vermutung auf, dass hier per Quote Romane ausgewählt werden, jedem Genre sein Plätzchen, schließlich soll auch für jeden Leser etwas dabei sein. Auch sonst ist bei Kubiczek alles typisch Buchpreis 2016: ein handwerklich solider, völlig harmloser Roman, der den Leser weder herausfordert, noch in Frage stellt; ihn am emotionalen Schlafittchen packen möchte, ohne die wirklich wunden Punkte zu berühren. Weiterlesen