Schlagwort: Das achte Leben

Das rote Jahrhundert: Nino Haratischwili’s „Das achte Leben“

Eintausendzweihundertachtzig Seiten umfasst Nino Haratischwilis 2014 erschienener Familienepos Das achte Leben (Für Brilka). Erzählt wird die Geschichte der georgischen Familie Jaschi, die im Jahr 1900 mit der Geburt Stasias beginnt und im Jahr 2007 mit der 14-jährigen Ururenkelin Brilka endet. Über sechs Generationen und acht Leben erzählt Haratischwili das sowjetische 20. Jahrhundert aus georgischer Sicht anhand einer turbulenten Familiengeschichte, die vor allem von den Frauen bestimmt wird. Die erzählten Schicksale sind vielfältig, gemeinsam haben sie jedoch eine gewisse Tragik, die stets von männlicher Gewalt auszugehen scheint. Trotzdem ist die Geschichte der Familie Jaschi die Geschichte eines Matriarchats. Eintausendzweihundertachtzig Seiten – wer die Herausforderung annimmt, der wird belohnt mit einem fesselnden Familienepos, einem historischen Roman über das vergangene Jahrhundert und einer Erzählstimme, die sich deutlich von der Konkurrenz abhebt. Haratischwilis Ton ist kein kalter, möglichst wirklichkeitsnaher Realismus mit detaillierten Schilderungen von Gewaltakten oder Sexszenen, wie er derweil vielfach zu finden ist, die Erzählstimme nähert sich vielmehr dem magischen Realismus an, der etwas märchenhaftes hat.  Weiterlesen