Schlagwort: DDR-Roman

Schrei nach Liebe? Lukas Rietzschels „Mit der Faust in die Welt schlagen“

Kaum ein Buch hat in diesem Literaturherbst so viel Aufmerksamkeit erfahren wie der Roman von Lukas Rietzschel. Buchhändler und Blogs wurden bereits Monate vor Veröffentlichung mit „Mit der Faust in die Welt schlagen“ beschickt, der Verlag lud Presse und BloggerInnen zu einem Tagesausflug samt Autor nach Sachsen ein, zum Erscheinungstermin gab es ein überdimensionales Schaufenster im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann im Coverdesign und vor allem gab es jede Menge Presse. Das alles ist insofern überraschend, da es sich um einen Debütroman handelt. Rietzschels Buch wird als „das Buch der Stunde“ gehandelt – zu Recht? Weiterlesen

Ingo Schulzes „Peter Holtz“: Lebt denn der alte Schelmenroman noch?

Der Schelmenroman ist ein trügerisches Genre. Er gibt einen leichtfüßigen Ton vor, muss sich seicht anfühlen, ohne es zu sein. Der Schelm ist eine naive Figur, doch der Roman darf nicht naiv sein. Der Schelm hat ein simples Weltbild, doch seine literarische Einbettung muss differenziert sein. Und der Schelm hat ein kindliches Gemüt, doch es gibt nichts Schlimmeres als kindliche Literatur. Wie es der Gemeinplatz sagt, ist das Einfache schwer zu machen und so ist es auch beim Schelmenroman. Seine Wurzeln reichen bis in die Vormoderne zurück, der Referenztext ist und bleibt der „Simplicissimus“. Mit der Grasschen Blechtrommel hat vielleicht zum letzten Mal ein deutscher Literat Erfolg mit diesem Genre gehabt, auch wenn Oskar Matzerath vielleicht kein lupenreiner Schelm ist. Nun hebt Ingo Schulze an, das Schelmische in der Literatur wiederzubeleben. Sein „Peter Holtz“ schaffte es zwar auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017, scheiterte aber zur Überraschung vieler an der Shortlist. Man muss leider sagen: zu Recht. Weiterlesen