Schlagwort: Demenz

Rachel Khongs „Goodbye, Vitamin“: Das Jahr des Vergessens

Khong_Goodbye Vitamin

Die Digitalisierung hat viel mehr verändert als den Medienkonsum und die etablierten Kommunikationsformen: Die örtliche Ungebundenheit und der stetige technische Fortschritt haben auch dazu geführt, dass sich die Lebensmodelle der Generationen auseinander entwickelt haben. War es früher noch üblich, mit Ende zwanzig zu heiraten und mit dem unbefristeten Arbeitsvertrag in der Tasche an der Familienplanung zu feilen, ist es heute die Ungewissheit, die das Leben der Endzwanigergeneration beschäftigt. Denn wer möchte sich schon binden, wenn man potenzielle Partnerinnen und Partner mit einem Swipe nach links oder rechts wie einen Modekatalog durchblättern kann? Wer möchte sich beruflich festlegen, wenn feste Arbeitsverträge die Ausnahme sind, weil niemand sicher ist, welche Jobs morgen gebraucht werden? Dass heute mit dreißig längst nicht alles entschieden ist, sondern das neue Jahrzehnt Anlass zur eigenen Neuerfindung wird, davon erzählt Rachel Khongs Roman „Goodbye Vitamin“. Weiterlesen

Küss die Hand: Marjana Gaponenkos „Das letzte Rennen“

Mehr ‚Wien‘ geht kaum: In Marjana Gaponenkos neuem Roman „Das letzte Rennen“ werden Fiaker gefahren, es wird über den Graben spaziert und in nächster Nachbarschaft des Praters residiert. Aus der Ich-Perspektive des 1988 geborenen Kaspar Nieć, Sohn eines aus Polen stammenden Millionärs, erzählt der dritte Roman von Gaponenko vom Untergang der höheren Wiener Gesellschaft und einer ambivalenten Vater-Sohn-Beziehung. Während thematische Konstanten durchaus vorhanden sind, unterscheidet sich „Das letzte Rennen“ stilistisch maßgeblich vom mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichneten Vorgängerroman „Wer ist Martha?“: „Das letzte Rennen“ ist weniger poetisch, dafür  sarkastisch und voller schwarzem Humor.  Weiterlesen