Schlagwort: deutsche Gegenwartsliteratur

Ingo Schulzes „Peter Holtz“: Lebt denn der alte Schelmenroman noch?

Der Schelmenroman ist ein trügerisches Genre. Er gibt einen leichtfüßigen Ton vor, muss sich seicht anfühlen, ohne es zu sein. Der Schelm ist eine naive Figur, doch der Roman darf nicht naiv sein. Der Schelm hat ein simples Weltbild, doch seine literarische Einbettung muss differenziert sein. Und der Schelm hat ein kindliches Gemüt, doch es gibt nichts Schlimmeres als kindliche Literatur. Wie es der Gemeinplatz sagt, ist das Einfache schwer zu machen und so ist es auch beim Schelmenroman. Seine Wurzeln reichen bis in die Vormoderne zurück, der Referenztext ist und bleibt der „Simplicissimus“. Mit der Grasschen Blechtrommel hat vielleicht zum letzten Mal ein deutscher Literat Erfolg mit diesem Genre gehabt, auch wenn Oskar Matzerath vielleicht kein lupenreiner Schelm ist. Nun hebt Ingo Schulze an, das Schelmische in der Literatur wiederzubeleben. Sein „Peter Holtz“ schaffte es zwar auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017, scheiterte aber zur Überraschung vieler an der Shortlist. Man muss leider sagen: zu Recht. Weiterlesen

„wir leben hier, seit wir geboren sind“: Ein Gespräch mit dem Autor Andreas Moster

Andreas Mosters Roman „wir leben hier, seit wir geboren sind“ ist vielleicht die Entdeckung der letzten Monate. Sein Debütroman ist mutig, weil er gegen den allgemeinen Trend des Autobiographischen anschreibt, er ist kunstvoll, weil er eine Sprache findet, die den Leser zum Fremden macht und er eine Erzählung schafft, die eine höhere Wahrheit in sich birgt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was für ihn Literatur ausmacht, was er von manchen Blüten der Gegenwartsliteratur hält und wann er Erfahrungen mit der Fremde macht. Weiterlesen