Schlagwort: deutsche Geschichte

Bernhard Schlinks „Olga“: Kein weites Feld

Mit seinem „Vorleser“ bescherte Bernhard Schlink der deutschen Literatur Mitte der 1990er Jahre einen der seltenen weltweiten Bestseller: Sein Roman wurde in 45 Sprachen übersetzt, schaffte es auf die berüchtigte Bestsellerliste der New York Times und wurde folgerichtig mit Hollywoodbesetzung verfilmt. Obwohl Schlink danach sieben weitere Bücher veröffentlichte, blieb es bei dem internationalen One-Hit-Wonder. Kein anderer seiner Romane konnte einen vergleichbaren Erfolg erzielen. Wie sieht es also mit der achten Veröffentlichung nach dem „Vorleser“ aus? Weiterlesen

Auf der Reise: Chaim Nolls Erzählband „Schlaflos in Tel Aviv“

Chaim Noll, der als Hans Noll 1954 in Ost-Berlin geboren wurde, lebt nun seit über zwanzig Jahren in Israel. Er hat sich gegen das Leben in einer der Großstädte entschieden und sich zurückgezogen in der Wüste Negev niedergelassen. Sein neuestes Buch „Schlaflos in Tel Aviv“, das im Frühjahr 2016 im Verbrecher Verlag erschien, umfasst vierzehn Erzählungen aus den letzten dreißig Jahren. Stilistisch und motivisch bleibt Noll sich treu, die Perspektiven verschieben sich jedoch. Weiterlesen

Guntram Vespers „Frohburg“: Ein literarischer Messie

Frohburg ist eine sächsische Kleinstadt, sie verfügt über rund 10.000 Einwohner, ist Teil des Landkreises Leipzig und liegt an der Grenze zu Thüringen. Otto Nuschke, der Vorsitzende der DDR-CDU, ist in Frohburg geboren, Frauke Petry soll auch mal dort gewohnt haben. Normalerweise wäre das das einzige, was der durchschnittliche Deutsche sich gerade noch von dem sächsischen Örtchen merken würde, wäre da nicht am 17. März 2016 etwas Eigentümliches geschehen: Der in Vergessenheit geratene Guntram Vesper war mit einem Ziegelstein von Buch nach Leipzig gekommen, für den ganz großen Wurf. Mit dem Gewinn des Preises der Leipziger Buchmesse stand der fünfundsiebzigjährige Schriftsteller plötzlich im Rampenlicht und mit ihm seine Heimatstadt Frohburg. In der Begründung der Jury heißt es über Vespers Roman: „Die Sätze in diesem Buch sind lang, oft bringen sie gleich mehrere Perspektiven zusammen, und sie sind stets konkret, geatmet, nah dran an der Mündlichkeit.“ Lang sind die Sätze tatsächlich, genauso wie der Roman ein langer ist. Ein furchtbar langer Roman, bei dem die Zeit noch viel länger wird. Weiterlesen

Peter Suhrkamp/Annemarie Seidel: Der schlichte Ostfriese

Der Begriff „Suhrkamp“ hat eine merkwürdige Unverhältnismäßigkeit produziert: Wer heute „Suhrkamp“ sagt, denkt zunächst „Unseld“. Das mag daran liegen, dass Siegfried Unseld in einer neuentstandenen Medienumwelt es besonders verstand, sich in Szene zu setzen oder aber, dass der Verlag erst unter seiner Regentschaft zu einer Kulturinstitution von Weltruhm geworden ist. Logischer wäre freilich bei Suhrkamp zunächst an Suhrkamp zu denken, an eben Peter Suhrkamp, Gründer des Verlags. Als Leiter des in Deutschland verbliebenen Teil des S. Fischer-Verlags – nachdem Bermann Fischer aufgrund der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten ins Exil gehen musste – baute er seine Hausmacht aus, die er schließlich ausspielte, als nach dem Krieg zwischen Suhrkamp und Fischer Lizenz-Streitigkeiten ausbrachen. Mit Brecht und Hesse hatte Peter Suhrkamp ein echtes Pfund für den Start gewinnen können; die zwei Autoren ebneten den Weg für eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. Trotz des allzu hell strahlenden Unseld-Sterns möchte das Berliner Verlagshaus das Andenken Suhrkamps hochhalten. Wie mit dem nun erschienen Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau Annemarie Seidel. Weiterlesen