Schlagwort: Deutschlandroman

Thomas Lehrs „Schlafende Sonne“: Größenwahn und nackte Angst

Wer heute das Märkische Museum in Berlin besucht, dem präsentiert sich ein ganzer Gemischtwarenladen an Ausstellungsstücken. Das Stadtmuseum erinnert noch an Zeiten, als das Museum kein didaktisch durchgestylter Wissensvermittlungsort war, sondern auch immer Kuriositätenkabinett. Einer dieser Kuriositäten, die sich dem Besucher dort eröffnen, ist ein originales Kaiserpanorama – ein Beispiel für die neue Sucht am Sehen der Jahrhundertwende. Mit der Fotographie kam eine Vorstellung des realistischen Sehens auf, Dinge waren plötzlich abbildbar, bei denen die Malerei sich vorher nur annähern konnte. Damit verbunden war auch die Idee eines bruchlosen Sehens. Die Leute wollten getäuscht werden und nicht von einem Bilderrahmen darauf aufmerksam gemacht werden, es mit einem Bildausschnitt zu tun zu haben. Das Bild sollte in seiner Totalität erkennbar sein, möglichst realitätsnah. Irgendwann war zwar die Zeit des Panoramas auch wieder vorbei, spätestens mit dem Film, doch mit „Schlafende Sonne“ holt Thomas Lehr es noch einmal ins 21. Jahrhundert. Weiterlesen