Schlagwort: deutschsprachige Gegenwartsliteratur

Dana von Suffrins »Otto«: Dürfen die das?

Als am 20. August die Longlist zum Deutschen Buchpreis verkündet wurde, waren wieder die Social Media-Abteilungen der Verlage gefragt: Jubelbilder mussten her. Am meisten jubeln durfte S. Fischer, aber auch der Hanser Verlag konnte zufrieden sein. Sogar Wallstein durfte einmal kurz aufjuchzen, denn sie hatten das Kunststück vollbracht, sich mit einem der schlechtesten Romane der letzten Zeit auf die begehrten Plätze zu setzen. Nur Kiepenheuer & Witsch dürfte begossen in die Wäsche geschaut haben, als der Börsenverein in ihrem Fall schwarzen Rauch aufstiegen ließ. Und so machte der Verlag das einzig konsequente: Er präsentierte über Facebook und Twitter die wortwörtlichen leeren Hände. Das kann mal passieren, ist in diesem Fall aber ärgerlich, weil sie einen Roman im Petto gehabt hätten, der in diese Hände gehörte: »Otto« von Dana von Suffrin. Weiterlesen

Robert Seethalers „Das Feld“: Der Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch

Der Tod ist der Literatur kein Unbekannter. Gestorben wird eh dauernd, genauso wie getrauert. Weil die Literatur das Reich der Fiktion ist, so sehr sich die Autobiographisten auch dagegen wehren, kennt die Literatur auch Tote, die nicht zum Schweigen gebracht werden. Zuletzt sorgte der Totentanz des großen amerikanischen Schriftstellers George Saunders, „Lincoln in the Bardo“, für Aufsehen, der damit direkt den Man Booker Prize gewann. Saunders erzählte von Präsident Lincoln, der am Grab seines Sohnes trauert und um den sich eine ganze Gesellschaft Toter schart, die von ihrem Schicksal kündet. In „Lincoln in the Bardo“ wird daraus eine kluge Geschichte über ein amerikanisches Trauma und wie eine Gesellschaft sich darum formiert. Weiterlesen