Schlagwort: Dreißigjähriger Krieg

Auguste Hauschners „Der Tod des Löwen“: Böhmens Sonne ist im Niedergang

Ein Jahr ist es schon wieder her, da erinnerte sich die europäische, aber vor allem die deutsche Öffentlichkeit an vierhundert Jahre Dreißigjähriger Krieg. Ausgangspunkt wie Zentrum dieses Konflikts war die Stadt Prag, in deren Stadtmauern böhmische protestantische Stände auf katholische Herrscher stießen und aus dem Fenster warfen. Die Gewalt verließ diese Stadt nicht, dreihundert Jahre später war die Stadt schon wieder zu klein für zwei geworden: dieses Mal für Tschechen und Habsburgerdeutsche. Wer in die Geschichte Prags schaut, der entdeckt eine unruhige Stadt – das gilt auch für „Der Tod des Löwen“ von Auguste Hauschner. Weiterlesen

Daniel Kehlmanns „Tyll“: Die Leichtigkeit der Leichtigkeit

Es gibt nur noch sehr wenige Großereignisse im deutschsprachigen Literaturbetrieb, an denen sich die Öffentlichkeit ausrichtet: Klar, da ist der Deutsche Buchpreis, der den Herbst durchtaktet. Beim Nobelpreis ist man auch fünf Minuten gespannt, ob nicht mal wieder etwas für einen Deutschen abfällt. Und jetzt, wo der neue Handke erscheint, ist eine gewisse Aufgeregtheit im Feuilleton spürbar. Gleiches gilt vielleicht auch für einen neuen Daniel Kehlmann-Roman. Der Bestseller-Autor, der mit „Die Vermessung der Welt“ den größten literarischen Verkaufserfolg der jüngeren Geschichte feierte, ist auch mit „Tyll“ wieder anständig, wenn auch nicht großartig in die Bestsellerlisten eingestiegen. Kehlmann ist eine seltene Spezies: Er wird sowohl vom Publikum, wie auch vom Feuilleton geliebt. Und auch für seinen neuen Roman stehen wieder eifrig viele Kritiker bereit, um den erfolgsverwöhnten Autor mit Lobpreisungen zu überschütten. Scheinbar hat Kehlmanns Ruhm nicht nur ihn erfolgstrunken gemacht. Weiterlesen

Gustav Meyrinks „Walpurgisnacht“: Der Tod ist im Haus

Das Bild des alten kakanischen Habsburgerreichs ist voller Nostalgie und Verklärung. Dabei werden vor allem zwei Städte der sentimentalen Rückschau unterzogen: Wien und Prag. Während in Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ oder Joseph Roths „Radetzkymarsch“ das prunkvolle und liberale Zentrum der Donau-Monarchie noch einmal kurz aufscheint, findet man das alte Prag bei den Prager Kreislern um Max Brodt und Autoren wie Leo Perutz oder Gustav Meyrink. Anders als die Wien-Nostalgie ist das Gedenken an ein untergegangenes Prag von Schatten überzogen: die Stadt an der Moldau war viel stärker als Wien von seinen mittelalterlichen Strukturen geprägt, was bis heute sichtbar ist. Mit seinem aus der Zeit gefallenen Antlitz haben sich die vielen Sagen und Mythen um die Stadt erhalten, Prag ist sozusagen die dunkle Kehrseite des hellen Wiens. Von der dunklen Seite des Mondes erzählt auch Gustav Meyrinks „Walpurgisnacht“, das zu Unrecht hinter dem allseits bekannten „Golem“ im Vergessenen liegt. Weiterlesen