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Édouard Louis‘ „Wer hat meinen Vater umgebracht“: Wir sind, was wir nicht getan haben

Der heißeste Scheiß kommt derzeit aus Frankreich: Despentes‘ Subutex-Trilogie, die Reims-Rückkehren des Didier Eribons, die hippe Philosophie des Tristan Garcia, die wiederentdeckte, großartige Annie Ernaux, der ewig unangenehme Houellebecq und eben Édouard Louis. Zusammen mit Eribon und dem vielleicht etwas weniger bekannten Geoffroy de Lagasnerie bildet er in Europa ein philosozioliterarisches Triumvirat, das medienwirksam den Diskurs versucht mitzubestimmen – und das kommt an, vielleicht nirgendwo so gut wie in Deutschland. Die Erfolgswelle will geritten werden, bevor sie bricht und so surft auch in diesem Jahr ein neues Louis-Buch in den Buchmarkt. Weiterlesen

Édouard Louis‘ „Im Herzen der Gewalt“: Verbrechen und Strafe

Die französische Soziologie und Philosophie sind sicherlich diejenigen auf dem Kontinent mit der breitesten Strahlkraft. Ihre Hochzeit hatten die französischen Theoretiker in den 60er und 70ern; nun, da die Grandseigneurs mittlerweile abgetreten sind, treten ihre Schüler aus deren Schatten. Allen voran ein gewisser Didier Eribon, der bei Pierre Bourdieu in die Lehre ging und in Frankreich schon länger als öffentlicher Intellektueller präsent ist. In Deutschland sorgte er mit dem Überraschungshit „Rückkehr nach Reims“ für Aufsehen. Gleichsam eifrig, aber hierzulande noch nicht ganz so bekannt ist Geoffroy de Lagasnerie, der sich in der Foucaultschen Tradition mit dem Wesen der Justiz und der Strafe auseinandersetzt. Und dann ist da Édouard Louis. Er ist der jüngste der drei und derjenige, der sich der Literatur zugewandt hat. 2015 kam in der deutschen Übersetzung sein Debütroman „Das Ende von Eddy“. Nun führt er mit „Im Herzen der Gewalt“ seine Auseinandersetzung mit den großen Theorielinien der französischen Soziologie weiter. Weiterlesen