Schlagwort: Eichborn

„wir leben hier, seit wir geboren sind“: Ein Gespräch mit dem Autor Andreas Moster

Andreas Mosters Roman „wir leben hier, seit wir geboren sind“ ist vielleicht die Entdeckung der letzten Monate. Sein Debütroman ist mutig, weil er gegen den allgemeinen Trend des Autobiographischen anschreibt, er ist kunstvoll, weil er eine Sprache findet, die den Leser zum Fremden macht und er eine Erzählung schafft, die eine höhere Wahrheit in sich birgt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was für ihn Literatur ausmacht, was er von manchen Blüten der Gegenwartsliteratur hält und wann er Erfahrungen mit der Fremde macht. Weiterlesen

Andreas Mosters „wir leben hier, seit wir geboren sind“: Wir, Ich und das Andere

Die Gegenwartsliteratur ist fest in der Hand eines tristen Realismus‘. Die ganze Gegenwartsliteratur? Nein, ein paar wenige leisten Widerstand. Doch die großen Helden unserer Tage sind die Knausgards mit ihren realistischen Klogangchroniken, die Glavinics und Meyerhoffs. Wiedererkennen möchte sich der Leser in diesen meist autobiographischen Stoffen, anschlussfähig soll es sein, an die eigene Lebenswelt. Früher hat die Literatur einmal die Aufgabe übernommen, den Leser mit dem Fremden zu konfrontieren, heute ist gute Literatur jene, die einen Alltag vorführt, der genauso öde ist, wie der des Lesers. Dabei ist es gerade die Fähigkeit der Kunst, dem Konsumenten mit Differenzerfahrungen zu konfrontieren, ihre große Leistung – wie Gesellschaften reagieren, die den Umgang mit dem Fremden verlernt hat, sieht man im Europa dieser Tage. Weil Andreas Moster, Übersetzer und Romandebütant, es wagt, die Literatur an den Punkt des Unbekannten zu führen, ist ihm ein echter Wurf gelungen. Weiterlesen

Isabelle Lehns „Binde zwei Vögel zusammen“: In Twittergewittern

Liama Menina schließt ihren Bericht über ihre Zeit im US-Stützpunkt in Hohenfels mit den Worten: „Freedom, finally, enduring!“ Liama Menina ist nicht ihr richtiger Name, doch die 26 Tage, von denen sie berichtet, könnten nicht (ir)realer sein. Zur Vorbereitung auf den Afghanistan- und schließlich auch Irakkrieg nutzten die amerikanischen Streitkräfte den deutschen Stützpunkt, um ein afghanisches Dorf zu simulieren, in dem reale Gefechtssituationen trainiert werden. Die in der taz berichtende Studentin hat die Geldnot dazu bewegt, in die Haut einer afghanischen Frau zu schlüpfen, ihr Bericht konzentriert sich vor allem auf die Strapazen, das schlechte Essen, den Stress, den der andauernde Theaterdonner auslöste. Der Bericht diente der Autorin Isabelle Lehn zur Inspiration für ihren Debütroman „Binde zwei Vögel zusammen“, in dem sich in dem Potemkinschen Dorf eine waschechte Subjektkrise vollzieht. Weiterlesen