Schlagwort: Emanzipation

‚Sei doch nicht gleich so hysterisch‘: Katharina Adlers „Ida“

Die Couch von Dr. Sigmund Freud gehört als Symbol der Psychoanalyse zum festen Interieur des 20. Jahrhunderts. Ziel der Therapie bei Freud ist es, die Lebensgeschichte des zu Behandelnden zu vervollständigen, eventuelle Lücken oder Widersprüche, die nach Freud ein möglicher Grund für die Symptome sein können, aufzulösen. Eine seiner prominentesten Patientinnen, Ida – besser bekannt als Dora –, bricht die ‚Redekur‘ im Jahr 1900 nach knapp drei Monaten vorzeitig ab. Katharina Adler hat sich nun Freuds Therapiemodell zum Vorbild genommen und die Lebensgeschichte von Ida Bauer, ihrer Urgroßmutter, in ihrem Debütroman vervollständigt. Weiterlesen

Zwischen Brooklyn und Berlin: Deborah Feldmans „Überbitten“

Als „Unorthodox“ im vergangenen Jahr im Secession Verlag erschien, konnte Feldman auch hierzulande, wo sie mittlerweile lebt, eine große Leserschaft und die Kritik mit ihrem Bericht über die Kindheit, Jugend und den Ausstieg aus der ultraorthodoxen, chassidischen Satmar-Gemeinde begeistern. Seitdem ist sie als regelmäßiger Gast in Fernsehtalkshows zu sehen. Wer wissen will, was alles zwischen der Abkehr von ihrer Gemeinde im Jahr 2010 und dem Auftritt bei Markus Lanz passierte, kann nun in Feldmans neuem Buch „Überbitten“ nachlesen, was es bedeutet, alles hinter sich zu lassen und sich selbst zu finden. Weiterlesen

Ela Angerers „Und die Nacht prahlt mit Kometen“: Literatur auf Krücken

Die Wiener Schriftstellerin Ela Angerer hatte mit ihrem Debütroman „Als ich 21 war“ für Aufsehen gesorgt: eine frische, unverbrauchte Stimme schrieb über das Heranwachsen im Schatten der Eltern, im Wohlstandsmilieu, als junge Frau. Das Feuilleton war damals fast durchgehend begeistert. Der Erfolg hat Angerer in den Aufbau Verlag gespült, bei dem nun ihr zweiter Roman „Und die Nacht prahlt mit Kometen“ erschienen ist. Die Themen sind dieselben geblieben, mit einem entscheidenden Unterschied: dieser zweite Roman wird nicht als autobiographisch beworben. Die große Frage ist nun also: schafft Angerer den Sprung aus dem eigenen Leben? Sie schafft es nicht. Dieser Roman ist eine Katastrophe, bei der man sich fragen muss, wie der Text durch die Qualitätskontrolle eines großen, angesehenen Hauses gelangt ist. Ein literarischer Fahrversuch außerhalb der autobiographischen Komfortzone, der mit 200 km/h vor die Wand gefahren wurde. Ein Schadensbericht. Weiterlesen

Bücher befreien: Deborah Feldmans „Unorthodox“

If I can make it there, I’ll make it anywhere – New York City an der Ostküste der USA verkörpert seit je her kosmopolitische Werte wie Selbstverwirklichung, Freiheit und Weltoffenheit. Ganz New York City? Nein, im Süden des Stadtteils Williamsburg in Brooklyn der frühen 1990er Jahre gelten andere Gesetze als im Rest der Stadt. Hier wohnt eine Gemeide von ultraorthodoxen, chassidischen Juden, in die Deborah Feldman hineingeboren wurde. „Unorthodox“ ist eine ‚autobiografische Erzählung‘, die bereits 2012 in den USA erschien und zum Bestseller wurde, vom Aufwachsen und Alltag in der chassidischen Satmar-Gemeinde erzählt und nun im Secessions-Verlag erstmalig in deutscher Übersetzung erschien. Weiterlesen