Schlagwort: Erzählband

Lorenz Justs „Der böse Mensch“: Böse ist der, der Böses tut?

Einem Debüt gegenüberzutreten ist eine reizvolle wie schwierige Aufgabe. Wer Brillanz gleich erkennt, kann sich für sein literarisches Gespür rühmen, schließlich möchte jeder den neuen Shootingstar als erstes ausgemacht haben. Gleichzeitig ist das kritische Annähern an ein Debüt ein Flug auf Sicht: Kein Werk, aus dem heraus sich etwas erklären lassen könnte, keine Kritikermeinung, an die man sich anlehnen könnte. Klar: Irgendwoher lassen sich immer Stützen holen – vielleicht gibt es einen vergleichbaren Autor oder Text. Und wenn man nicht über das Debüt selbst sprechen will, kann man immer noch darauf ausweichen, es als Symptom auszudeuten. Wie wäre es zum Beispiel mal wieder mit einer Debatte über Literaturinstitute? Weiterlesen

Saša Stanišić‘ „Fallensteller“: Der große Zampano

Saša Stanišić ist ein eigentümliches Phänomen in der deutschsprachigen Literatur. Größer als bei anderen Autoren ist bei dem mittlerweile nur noch so halbjungen Senkrechtstarter die Lust verbreitet, kategorische Urteile über sein Werk zu fällen. Die eine Seite wirft ihm vor – bekanntestes Beispiel Maxim Biller – seine bosnischen Wurzeln für den literarischen Ruhm in Deutschland zu verleugnen, den anderen schreibt er noch zu bosnisch. Für andere wiederum ist er die Personifizierung der gleichgeschalteten Leipziger-Institut-Schreiberei. Seinem Erfolg haben all diese Angriffe keinen Abbruch getan, nach einem ersten Ausrufezeichen beim Bachmann-Wettbewerb erhielt er 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen jüngsten Roman „Vor dem Fest“. Nun ist sein Erzählband „Fallensteller“ erschienen. Höchste Zeit über den konkreten Text zu sprechen. Das ist ein zweifelhaftes Vergnügen. Weiterlesen