Schlagwort: Europa

Herfried Münklers „Der dreißigjährige Krieg“: Völker dieser Welt, schaut auf diesen Krieg

Herfried Münkler ist unzufrieden. Unzufrieden mit dem politischen Betrieb und auch unzufrieden mit der Bevölkerung. Er hat sich schon häufiger über fehlende strategische und analytische Kompetenz in der politischen Elite Deutschlands mokiert und jüngst sagte er im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur ganz unverblümt: Das Volk ist dumm! Elite dumm, Bevölkerung dumm – da braucht es jemanden, der weiß wie es besser geht. In dieser Rolle sieht sich Herfried Münkler, nicht umsonst taufte ihn das Feuilleton „Ein-Mann-Think-Tank“. In Zeiten von verschärften weltpolitischen Konflikten kann man aber auch jeden guten Rat, den man bekommen kann, gebrauchen. Doch wie ist Münkler so viel schlauer als andere geworden? Klar, durch den Tiefenblick der Geschichtswissenschaft. Weiterlesen

Joseph Roth und der Kampf gegen den Antichrist – Briefwechsel mit Stefan Zweig

Briefwechsel – vor allem Literaten-Briefwechsel – sind eine intrikate Sache. Der Leser erwartet von der Korrespondenz zweier Geistesmenschen Diskussionen über Fundamentales, Epochenzeugnisse und Einblicke in das Werk beider Autoren. Was dann aber häufig dominiert, sind Schmeicheleien, seitenlange Auskünfte über körperliche Befindlichkeiten und Terminabsprachen über Treffen, die dann entweder nicht zustande kommen oder über dessen Inhalte der Leser im Unklaren bleibt. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig (1927-1938) bewegt sich im Dazwischen.

Joseph Roth ist 1927 gerade viel auf Reisen, während Stefan Zweig seine Sternstunden veröffentlicht. Der Briefwechsel der Beiden lässt sich in vielerlei Weise erzählen: als Zeugnis einer Freundschaft, als Beispiel für den ökonomischen Überlebenskampf einer Autorenexistenz, als Verfallsdrama oder als Geschichte der politischen Irrtümer. Weiterlesen