Schlagwort: Frankenstein

Michael Wildenhains „Das Singen der Sirenen“: Ausgeheult

Die Geisteswissenschaften haben es gesamtgesellschaftlich nicht leicht. Sie bringen keinen direkten Ertrag hervor, gelten als verquatscht und unproduktiv. Wer heuer eine Kostprobe eines weitverbreiteten Ressentiments genießen möchte, musste in den letzten Wochen nur einen Blick in DIE ZEIT werfen. Da verteidigte die zuletzt etwas über zwielichtige Konten ins Straucheln geratene Speerspitze des Feminismus ihr Zentralorgan „Emma“ gegen Rassismusvorwürfe, die die Gender-Theoretikerinnen Judith Butler und Sabine Hark erhoben. Ein einziges Wort reicht aus, um zu verstehen, woher der Wind eigentlich wehte: „Berufs-Denkerinnen“ seien die beiden. Schwarzer hatte gar nicht erst vor, den beiden inhaltlich gegenüberzutreten, sondern versuchte lieber, direkt einen ganzen Berufsstand zu diskreditieren. Dass jemand dafür bezahlt wird zu denken, ist in einer ergebnisorientierten Gesellschaft ein Skandalon, selbst bei solchen, die sich einstmals selbst als Vordenkerin sahen. Darüber was es heißt, sich mit dem Immateriellen zu beschäftigen, hat Michael Wildenhain den Roman „Das Singen der Sirenen“ geschrieben. Weiterlesen

Olaf Trunschkes „Die Kinetik der Lügen“: Genfer Grusel

Ist Genf das eigentliche Zentrum des Unheimlichen? Vor ziemlich genau zweihundert Jahren machte Mary Shelley eine Reise an den Genfer See und bekam dort die Idee für einen Roman, der das Genre des Horrors wie kaum ein anderer entscheidend beeinflussen sollte: „Frankenstein oder der moderne Prometheus“. Auch Shelleys Protagonist Dr. Victor Frankenstein wuchs in Genf auf. Und heute steht in der Nähe von Genf das europäische Forschungszentrum CERN, das vor allem für seinen riesigen Teilchenbeschleuniger bekannt ist – eine Anlage, in der Teilchen mit immenser Geschwindigkeit aufeinanderprallen und deren Imposanz die Fantasie der Nostradamusse beflügelt, die dort den kommenden Weltuntergang entstehen sehen. Olaf Trunschke nähert sich diesem unheimlichen Ort in seinem Debüt „Die Kinetik der Lügen“ und zieht eine Linie durch die Jahrhunderte: was hat das aus Leichenteilen bestehende Monster mit unserer Gegenwart zu tun? Und können Romane zu Monstern für ihre Erschaffer werden? Weiterlesen