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Franzobels „Das Floß der Medusa:“ Die Titanic, die eine Arche war

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Wer heute den Louvre in Paris besucht und sich an den Touristenmassen vor der Mona Lisa vorbeigedrückt hat, für den ist die zweite Hürde, die es zu überwinden gilt, der Trubel vor Géricaults „Floß der Medusa“. Zu seiner Zeit ein Skandal ist es heute eines der berühmtesten Gemälde der frühen Moderne. Nicht nur für Besucherströme ist es ein Fixpunkt, auch die Literatur hat die Geschichte um die hilflos auf dem Meer herumtreibenden Seeleute und vor allem deren mediale Repräsentation fast zu jeder Epoche bewegt. Peter Weiss las in seiner „Ästhetik des Widerstands“ das Schicksal der Seeleute als Verrat an der Arbeiterklasse, Julian Barnes ulkte über Géricaults Versuch, über Gespräche mit Überlebenden und Leichenschauen ein authentisches Bild der Vorkommnisse zu fixieren. Nun hat sich der österreichische Schriftsteller und Klarnamenverweigerer Franzobel sich dem Stoff gewidmet und mit „Das Floß der Medusa“ das Buch der Stunde geschrieben, ohne sich dem Aktualitätswahn zu verschreiben. Weiterlesen