Schlagwort: Fremdheit

„wir leben hier, seit wir geboren sind“: Ein Gespräch mit dem Autor Andreas Moster

Andreas Mosters Roman „wir leben hier, seit wir geboren sind“ ist vielleicht die Entdeckung der letzten Monate. Sein Debütroman ist mutig, weil er gegen den allgemeinen Trend des Autobiographischen anschreibt, er ist kunstvoll, weil er eine Sprache findet, die den Leser zum Fremden macht und er eine Erzählung schafft, die eine höhere Wahrheit in sich birgt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was für ihn Literatur ausmacht, was er von manchen Blüten der Gegenwartsliteratur hält und wann er Erfahrungen mit der Fremde macht. Weiterlesen

„Vor der Morgenröte“: Ein Flaneur im Dschungel

Da stehen sie auf einmal zusammen auf der Veranda eines schlichten Appartements und blicken auf den brasilianischen Dschungel – der deutsche Journalist Ernst Feder und der Epochen-Schriftsteller Stefan Zweig. Ergriffen von dem Anblick der verschwenderischen Natur, von dem Gedanken geleitet, in Brasilien das Land der Zukunft zu sehen, kann der Exilant Zweig doch nur eines in den grünen Hügeln erkennen: den Semmering, diesen malerischen Pass, der den Wienern seit je her als Ausflugsziel dient. Das Gefühl, das den Berliner und den Wiener an diesem Ort verband, war das Gefühl einer ganzen Generation: die europäischen Exilanten des Zweiten Weltkriegs hatte keine Abenteuerlust an die entlegensten Orte geführt, sondern die pure Not. Die Heimat, die sie verlassen hatten, betrachteten sie immer noch als die eigene. Trotz aller politischen Schönverfärberei seitens Stefan Zweigs – Brasilien sollte nie seine neue Heimat werden. Dieser Phase seines Lebens hat die Regisseurin Maria Schrader nun den fantastischen  Film „Vor der Morgenröte“ gewidmet. Weiterlesen