Schlagwort: Frühwerk

Vom Ende her auf das Ende hin: Ilse Aichingers frühe Erzählungen

Erzählungen erfreuen sich im deutschsprachigen Raum in der gegenwärtigen Rezeption keiner großen Beliebtheit. Verlage und Buchhändler berichten gleichsam, Kurzprosa sei schwer an den Leser zu bringen, weil dieser viel lieber zum Roman greift. Die Tatsache, dass Erzählungen vom heutigen Leser stiefmütterlich behandelt werden, ist keineswegs allgemeingültig oder selbstverständlich. In den USA sind „short stories“ ein fester Bestandteil der Gegenwartsliteratur; man denke beispielsweise an Don DeLillo oder Alice Munro, und auch in Deutschland war die Situation vor 70 Jahren noch eine andere. Die deutschsprachige Nachkriegsliteratur wurde maßgeblich von Kurzprosa geprägt, darunter die frühen Erzählungen von Ilse Aichinger, welche im Band „Der Gefesselte“ zusammengestellt wurden und zwischen 1946 – 1952 entstanden sind.  Weiterlesen

Der amerikanische Archivschatz: Truman Capotes „Wo die Welt anfängt“

Es ist der Traum eines jeden Literaturwissenschaftlers, Editionsphilologen und Verlegers: man geht ins Archiv und findet Manuskripte eines namenhaften Schriftstellers, die noch nie veröffentlicht wurden. Eben dieses Glück hatten Anuschka Roshani und Peter Haag, als sie im Sommer 2014 nach New York reisten und in der Public Library auf die Jugenderzählungen und -gedichte von Truman Capote in dessen Nachlass stießen. Im Erzählband „Wo die Welt anfängt“ werden vierzehn eben jener Kurzgeschichten erstmalig veröffentlicht. Die Qualität der Texte, die Capote zwischen seinem 14. und 17. Lebensjahr verfasste, ist beeindruckend.

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