Schlagwort: Generationsroman

Hakan Tezkans „Den Kern schluckt man nicht“: Wie der Vater, so der Sohn?

Der Text, mit dem Hakan Tezkan im Jahr 2015 beim 23. open mike antrat, war mit „Wolf“ übertitelt. Gewonnen haben damals andere, aber entmutigen ließ Tezkan, der am Deutschen Literaturinstitut studierte, sich davon nicht. Nun veröffentlicht er, knapp zweieinhalb Jahre nach seiner Lesung im Heimathafen Neukölln, seinen nur knapp über 100 Seiten kurzen Debütroman „Den Kern schluckt man nicht“ im Elif Verlag. Weiterlesen

Getrennte Schwestern: Yaa Gyasis „Heimkehren“

Die Anzahl der Filme und Bücher, die sich mit der Geschichte der Sklaverei, insbesondere in den USA, auseinandersetzen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen: 2014 wurde „12 Years a Slave“ als bester Film mit dem Oscar ausgezeichnet, erst unlängst gewann Colson Whitehead mit seinem Roman „Underground Railroad“ den Pulitzer Price for Fiction. Ein weiterer Roman, der das Zeug hat, in den Kanon einzugehen, stammt von einer erst 28-jährigen Debütantin: Yaa Gyasi hat einen epischen Roman geschrieben, der 250 Jahre afrikanisch-amerikanische Geschichte erzählt. Weiterlesen

Die Leiche im Keller: Birgit Müller-Wielands „Flugschnee“

Sitzt da etwa ein Peter Weiss-Liebhaber in der diesjährigen Jury des Deutschen Buchpreises? Gleich zwei der Romane der Longlist weisen eklatante intertextuelle Bezüge zum  epischen Jahrhundertwerk des deutsch-schwedischen Schriftstellers auf. Während der Verweis bei Franzobels „Das Floß der Medusa“ indirekt ist – sowohl die „Ästhetik des Widerstands“ als auch dieser Roman beziehen sich auf das gleichnamige Gemälde von Théodore Géricault –, verweist Birgit Müller-Wieland in ihrem neuen Roman „Flugschnee“ gleich mehrfach und alles andere als subtil auf das Hauptwerk von Peter Weiss. Weiterlesen

Aus dem Osten: Kathrin Schmidts „Kapoks Schwestern“

Kathrin Schmidt, die vor sieben Jahren mit „Du stirbst nicht“ den Deutschen Buchpreis gewann, hat einen neuen Roman vorgelegt. „Kapoks Schwestern“ lässt sich wohl ohne weiteres als Berlin-Roman identifizieren. Schauplatz ist jedoch kein hipper Szenebezirk wie Mitte, Neukölln oder Friedrichshain, sondern eine Einfamilienhaus-Siedlung am Baumschulenweg im Südosten von Berlin, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Die Siedlung in Köpenick ist Ausgangspunkt für eine Erinnerungsreise in die Geschichte des letzten Jahrhunderts, die anhand zweier Familien erzählt wird und von Berlin aus in den Osten führt, um am Ende nach Berlin zurückzukehren.

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Ronja von Rönne: Der diskrete Charme der Digital Natives

Nein, das soll nicht der zweihundertste Text über die Attacken Ronja von Rönnes auf den modernen Feminismus werden. Dieser alte Käse stank schon als er das erste Mal aufgetischt wurde. Jede Generation muss sich gegen die Eltern auflehnen – und wenn man das Kind von Alice Schwarzer und Laura Himmelreich ist, dann rebelliert man halt gegen #Aufschreie und längst vergessene Magazine wie die „Emma“. Trotzdem lohnt ein Blick in ihre Welt-Kolumne, sie sind ein Schlüssel zum Verständnis der Autorin. Denn neben gekonnter Selbstinszenierung gibt von Rönne Einblick in ihre Gedankenwelt und entwickelt ansatzweise eine Poetik, die sich in ihren Debütroman „Wir kommen“ fortsetzt. Von Rönnes Dauerbrenner sind dabei die Last der Freiheit, das Unglück, das aus Privilegien erwächst und die Traurigkeit, die durch zu viele Alternativen entsteht. Von all diesen Themen erzählt auch „Wir kommen“, das teilweise hymnische Reaktionen hervorgebracht hat und in der ZEIT schon als neuer Chandos-Brief gefeiert wurde. Zeit Protest einzulegen. Weiterlesen