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Gerhard Falkners „Romeo oder Julia“: Es kann nur einen geben

Romeo oder Julia

He did it again: Nachdem Falkner letztes Jahr schon sein Buch auf die Longlist des Deutschen Buchpreis hieven konnte, hat er es nun mit seinem neuen Roman „Romeo oder Julia“ auf die Shortlist geschafft. Letztes Jahr hatte er mit „Apollokalypse“ eine deutsche Mentalitätsgeschichte abgeliefert und über den Zusammenhang zwischen Eros und Zerstörungswut sinniert. Obwohl Falkners Buch zu den besseren Anwärtern auf der letztjährigen Liste zählte, merkte man „Apollokalypse“ auch die Schwierigkeiten an, die der Romandebütant mit einer Gattung hatte, die bislang nicht zu seinem Repertoire gehörte. Nun, mit „Romeo oder Julia“ sitzt Falkner schon deutlich fester im Sattel und arbeitet sich am Ereignisbegriff ab. Weiterlesen

Gerhard Falkners „Apollokalypse“: „Georg Autenrieth, also ich“

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Die Siebziger waren die liberalsten und offensten Jahre der BRD und gleichzeitig die gewalttätigsten der jüngeren deutschen Geschichte. Die größten Unruhen der Studentenrevolte waren vorüber, mit Willy Brandt und dann mit Helmut Schmidt waren nach rund dreißig Jahren CDU-Herrschaft Sozialdemokraten an den Hebeln der Macht. Außenpolitisch entspannte sich die Lage in Europa durch die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition. Die Siebziger waren aber auch Radikalenerlass, Vietnamkrieg und vor allem RAF. Auch wenn Gerhard Falkners sehr spätes Romandebüt hauptsächlich im Berlin der Achtziger und Neunziger spielt, sind diese Jahre die Keimzelle all dessen, was sich in „Apollokalypse“  vollzieht und Erklärungsmuster für den neologistischen Titel: gleich drei Seelen wohnen in Deutschlands Brust, die des Schönen, die des Verführerischen und die der Zerstörung. Weiterlesen