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Gustav Meyrinks „Walpurgisnacht“: Der Tod ist im Haus

Das Bild des alten kakanischen Habsburgerreichs ist voller Nostalgie und Verklärung. Dabei werden vor allem zwei Städte der sentimentalen Rückschau unterzogen: Wien und Prag. Während in Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ oder Joseph Roths „Radetzkymarsch“ das prunkvolle und liberale Zentrum der Donau-Monarchie noch einmal kurz aufscheint, findet man das alte Prag bei den Prager Kreislern um Max Brodt und Autoren wie Leo Perutz oder Gustav Meyrink. Anders als die Wien-Nostalgie ist das Gedenken an ein untergegangenes Prag von Schatten überzogen: die Stadt an der Moldau war viel stärker als Wien von seinen mittelalterlichen Strukturen geprägt, was bis heute sichtbar ist. Mit seinem aus der Zeit gefallenen Antlitz haben sich die vielen Sagen und Mythen um die Stadt erhalten, Prag ist sozusagen die dunkle Kehrseite des hellen Wiens. Von der dunklen Seite des Mondes erzählt auch Gustav Meyrinks „Walpurgisnacht“, das zu Unrecht hinter dem allseits bekannten „Golem“ im Vergessenen liegt. Weiterlesen

old but gold: Gustav Meyrink’s „Der Golem“

Wer an den Golem denkt, der assoziiert unverweigerlich Paul Wegener, den deutschen Filmpionier, seine drei Golem-Filme, die zwischen 1914 und 1920 gedreht und von denen vor allem „Der Golem, wie er in die Welt kam“ zum Stummfilmklassiker wurde. Gustav Meyrinks Roman, der 1913 und 1914 erstmals als Fortsetzungsreihe in den Weißen Blättern und 1915 in Buchform erschien, hat nichts mit den Filmen von und mit Paul Wegener zu tun, keiner der drei Stummfilme ist eine Adaption des literarischen Textes. Meyrinks „Golem“ wurde zum erfolgreichsten deutschsprachigen Roman in der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass das Motiv Eingang in gleich drei der frühesten deutschen Kunstfilm-Produktionen fand und so unsterblich wurde, obwohl der Roman 1933 bei den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen für immer aus dem Kanon ausgelöscht werden sollte. Weiterlesen