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Hermann Brochs „Die Schlafwandler“: Von Beruf Mensch

Den Begriff des „Schlafwandlers“ hat in jüngerer Zeit ein gewisser Christopher Clark besetzt, ein etwas kauziger australischer Historiker, der in Cambridge lehrt und mit seinem umfassenden Werk zum Ersten Weltkrieg einen wahren Megaerfolg hatte, was in der Wissenschaftsliteratur selten genug ist. Danach ist ihm der Ruhm zu Kopf gestiegen und er hat sich vom ZDF in Wanderstiefel stecken lassen, um den Deutschen im deutschen Wald die Deutschen zu erklären. Hinter all der Aufregung ist derjenige untergegangen, der den Titel „Die Schlafwandler“ ein Jahrhundert zuvor geprägt hat: Hermann Broch. Der österreichische Schriftsteller, der zu einem der großen Autoren der Moderne gezählt wird und von seinen Zeitgenossen bewundert wurde, veröffentlichte die Romantrilogie in den dreißiger Jahren. Broch erzählt darin, von Kulturpessimismus beseelt, vom Niedergang einer Epoche und wurde damit zur Kassandra seines eigenen Schicksals: 1938 inhaftiert entging er nur knapp dem Schicksal vieler anderer Juden in Österreich. Zeitlebens sollte sich Hermann Broch damit beschäftigen, wie der moderne Mensch in der Masse vereinsamt. Weiterlesen