Schlagwort: homunculus

Ulrich Holbeins „Knallmasse“: Per Identitätskrise durch die Galaxie

Holbein_Knallmasse

Die ZEIT nannte ihn „Dandy mit Adorno-Ohren“, die taz einen „Einsiedler im prallen Leben“, er sich selbst „Mutter Theresa“ – Ulrich Holbein ist eine der ungewöhnlichsten Figuren im deutschen Literaturbetrieb. Sein Werk wurde immer mit den Größten verglichen, mal Arno Schmidt, mal Jean Paul. Seine ersten Texte sind bei Suhrkamp erschienen, seit der Entzweiung mäandert das Werk Holbeins durch die deutsche Verlagsgeschichte. Nun ist der Autor im homunculus Verlag angekommen, was wie die perfekte Ehe wirkt. Mit „Knallmasse“ wurde dort ein früher Roman Holbeins wiederaufgelegt, in schönem neuen Gewand. Weiterlesen

Olaf Trunschkes „Die Kinetik der Lügen“: Genfer Grusel

Ist Genf das eigentliche Zentrum des Unheimlichen? Vor ziemlich genau zweihundert Jahren machte Mary Shelley eine Reise an den Genfer See und bekam dort die Idee für einen Roman, der das Genre des Horrors wie kaum ein anderer entscheidend beeinflussen sollte: „Frankenstein oder der moderne Prometheus“. Auch Shelleys Protagonist Dr. Victor Frankenstein wuchs in Genf auf. Und heute steht in der Nähe von Genf das europäische Forschungszentrum CERN, das vor allem für seinen riesigen Teilchenbeschleuniger bekannt ist – eine Anlage, in der Teilchen mit immenser Geschwindigkeit aufeinanderprallen und deren Imposanz die Fantasie der Nostradamusse beflügelt, die dort den kommenden Weltuntergang entstehen sehen. Olaf Trunschke nähert sich diesem unheimlichen Ort in seinem Debüt „Die Kinetik der Lügen“ und zieht eine Linie durch die Jahrhunderte: was hat das aus Leichenteilen bestehende Monster mit unserer Gegenwart zu tun? Und können Romane zu Monstern für ihre Erschaffer werden? Weiterlesen