Schlagwort: Identität

Marina Perezaguas „Hiroshima“: Little Boy, Little Girl

Perezagua-Hiroshima

Der 6. August 1945, an dem „Little Boy“ in die Welt kam, veränderte den Lauf der Geschichte: Die erste militärisch eingesetzte Atombombe, die ein Flieger der US Air Force über Hiroshima abwarf, beendete nicht nur den vorangegangen atomaren Rüstungswettlauf zwischen Nazi-Deutschland und den Alliierten, sondern schlug ein neues, trauriges Kapitel der Kriegsführung auf. „Hiroshima“, der Debütroman der spanischen Autorin Marina Perezagua, erzählt die Geschichte einer Überlebenden. Weiterlesen

Peter Stamms „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“: Alles auf Anfang

Peter Stamm bezeichnet sich selbst als einen stillen Autor. Das hat ihm, wie die Lüscher-Stamm-Bärfuss-Debatte gezeigt hat, Kritik eingebracht, aber eigentlich hat es ihm mehr genützt. Er gilt heute als einer der begnadetsten Schweizer Autoren, der im Gegensatz zu Lüscher und Bärfuss als ein Meister der Reduktion gilt. Peter Stamms Bücher durchgeistert immer ein leichter Hauch philosophischer Rotweinseligkeit. Statt ins kalte Herz des Silicon Valleys zu schauen, wie Lüscher, oder gar die Fundamente der westlichen Zivilisation in Frage zu stellen, wie Bärfuss, stellt Stamm in seinen Texten die großen Fragen nach den Möglichkeiten der Liebe, zweiten Chancen, Sinnhaftigkeiten von Existenzen und den Bedingungen eines glücklichen Lebens. So auch in „Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt“, das jedoch nicht mehr ist als ein Zwischentext. Weiterlesen

Zwischen Brooklyn und Berlin: Deborah Feldmans „Überbitten“

Als „Unorthodox“ im vergangenen Jahr im Secession Verlag erschien, konnte Feldman auch hierzulande, wo sie mittlerweile lebt, eine große Leserschaft und die Kritik mit ihrem Bericht über die Kindheit, Jugend und den Ausstieg aus der ultraorthodoxen, chassidischen Satmar-Gemeinde begeistern. Seitdem ist sie als regelmäßiger Gast in Fernsehtalkshows zu sehen. Wer wissen will, was alles zwischen der Abkehr von ihrer Gemeinde im Jahr 2010 und dem Auftritt bei Markus Lanz passierte, kann nun in Feldmans neuem Buch „Überbitten“ nachlesen, was es bedeutet, alles hinter sich zu lassen und sich selbst zu finden. Weiterlesen

Tex Rubinowitz‘ „Lass mich nicht allein mit ihr“: Meta!

Die Schriftstellerei ist ein schizophrenes Gewerbe. Autoren denken sich Erzähler aus, die wiederum über Figuren sprechen. Der Autor kann in seinen eigenen Romanen vorkommen oder auch völlig abwesend sein, es gibt einen privaten Autor und einen öffentlichen. Seine Texte sind immer selbstbestimmt und gleichzeitig durchdrungen von Fremdzitaten, darüber hinaus darf auch der Einfluss Zweiter und Dritter – wie der von Lektoren – nicht unterschätzt werden. Kurzum: der Autor ist eine Matroschka-Puppe, unter dem einen Figürchen wartet immer noch ein weiteres. Dass das so ist, ist keine rasante Neuigkeit. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts entdeckte die Postmoderne die Lust gerade an dieser Konstellation herumzuprobieren und schrieb Literatur, die die literarische Form selbst zum Thema hatte. Zwar wurde dieser literarische Spieltrieb mittlerweile von der neuen Sehnsucht nach authentischen, lebensnahen Stoffen abgelöst, hin und wieder räuspert sich die Postmoderne jedoch noch einmal – in Tex Rubinowitz‘ Roman „Lass mich nicht allein mit ihr“ zum Beispiel, in dem das Verwirrspiel um Identitäten zum müden Witz verkommt. Weiterlesen