Schlagwort: Ideologien

Andrzej Stasiuk: Die Tektonik des Ostens

Die Losung Heinrich Himmlers „Der Osten gehört der SS.“ ist der grausame Höhepunkt europäischer Großmachtphantasien. Die Nationalsozialisten wollten in Osteuropa all das verwirklichen, was sich ihre Chefideologen an Spinnereien ausgedacht hatten: Das deutsche Volk hatte zu wenig Raum, deswegen musste Platz geschaffen werden. Was dann folgen sollte, war die perfekte, natürlich deutsche, bäuerliche Gesellschaft – arisch und naturverbunden. Der Osten Europas war schon immer Ort großer Umwälzungen und heikler politischer Projekte. Wer nachvollziehen will, wie deutsche Generäle schon während des Ersten Weltkriegs ins Schwärmen kamen, als sie über die deutsche Zukunft im Osten nachdachten, der lese Arnold Zweigs „Der Streit um den Sergeanten Grischa“. Das letzte Projekt, das Eurasien übergestülpt wurde, war der Kommunismus. Die Schaffung des neuen Menschen hat jedoch Trümmerlandschaften zurückgelassen, durch die Andrzej Stasiuk in seinem neuen Text „Der Osten“ gezogen ist. Weiterlesen

„Das bessere Leben“: Ideenland ist abgebrannt

Würde man Wetten auf den Gewinner des Deutschen Buchpreises abschließen, Ulrich Peltzers „Das bessere Leben“ würde wohl die niedrigste Gewinnquote erzielen. Der in Berlin lebende Romancier gilt als großer Favorit für den diesjährigen Preis. Auch Peltzers vorherige Romane, genauso wie seine Zusammenarbeit mit Regisseur Christoph Hochhäusler für den Film „Unter dir die Stadt“ haben positive Resonanz im Feuilleton gefunden. Nun positioniert er sich mit „Das bessere Leben“ in einer Debatte über unsere Gegenwart und wie sie es mit großen Utopien vom Fortschritt hält. Weiterlesen