Schlagwort: Ingeborg Bachmann-Preis

Tex Rubinowitz‘ „Lass mich nicht allein mit ihr“: Meta!

Die Schriftstellerei ist ein schizophrenes Gewerbe. Autoren denken sich Erzähler aus, die wiederum über Figuren sprechen. Der Autor kann in seinen eigenen Romanen vorkommen oder auch völlig abwesend sein, es gibt einen privaten Autor und einen öffentlichen. Seine Texte sind immer selbstbestimmt und gleichzeitig durchdrungen von Fremdzitaten, darüber hinaus darf auch der Einfluss Zweiter und Dritter – wie der von Lektoren – nicht unterschätzt werden. Kurzum: der Autor ist eine Matroschka-Puppe, unter dem einen Figürchen wartet immer noch ein weiteres. Dass das so ist, ist keine rasante Neuigkeit. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts entdeckte die Postmoderne die Lust gerade an dieser Konstellation herumzuprobieren und schrieb Literatur, die die literarische Form selbst zum Thema hatte. Zwar wurde dieser literarische Spieltrieb mittlerweile von der neuen Sehnsucht nach authentischen, lebensnahen Stoffen abgelöst, hin und wieder räuspert sich die Postmoderne jedoch noch einmal – in Tex Rubinowitz‘ Roman „Lass mich nicht allein mit ihr“ zum Beispiel, in dem das Verwirrspiel um Identitäten zum müden Witz verkommt. Weiterlesen