Schlagwort: Israel

Kevin Kuhns „Liv“: So nah und doch so fern

Es ist der kollektive Traum einer Generation: Immer mehr junge Menschen brechen nach der Schule, der Ausbildung oder dem Studium auf, um auf Weltreise zu gehen. Ob Backpacking durch Südostasien oder Work-and-Travel in Australien und Neuseeland – was verspricht, besonders exotisch zu sein, haben schon Abertausende erlebt. Die Routen sind mehr oder minder vorgegeben, alle besuchen die gleichen Partyhostels, den gleichen vermeintlich abgelegenen Wasserfall: Die abenteuerliche Weltreise hat immer schon jemand vorher erlebt, bereits ein Selfie auf Instagram, Facebook oder einem Travelblog gepostet. Auch die titelgebende Protagonistin von Kevin Kuhn macht sich auf den Weg, um die Welt zu bereisen. Für „Liv“ gibt es jedoch kein Zurück. Weiterlesen

Auf der Reise: Chaim Nolls Erzählband „Schlaflos in Tel Aviv“

Chaim Noll, der als Hans Noll 1954 in Ost-Berlin geboren wurde, lebt nun seit über zwanzig Jahren in Israel. Er hat sich gegen das Leben in einer der Großstädte entschieden und sich zurückgezogen in der Wüste Negev niedergelassen. Sein neuestes Buch „Schlaflos in Tel Aviv“, das im Frühjahr 2016 im Verbrecher Verlag erschien, umfasst vierzehn Erzählungen aus den letzten dreißig Jahren. Stilistisch und motivisch bleibt Noll sich treu, die Perspektiven verschieben sich jedoch. Weiterlesen

Daddy Issues: Maxim Billers „Biografie“

Biografie heißt der lang erwartete neue Roman von Maxim Biller, der in den letzten Monaten vor allem durch seine umstrittenen Auftritte im neuen Literarischen Quartett für Aufsehen sorgte. Fast jeder hat seitdem eine Meinung zum Kritiker Biller: man hasst ihn oder man liebt ihn. Den Schriftsteller Biller scheinen dagegen nur wenige zu kennen. Ähnlich wie der Ich-Erzähler Solomon Karubiner, der sich im Roman als der meistdiskutierte und gleichzeitig am wenigsten gelesene deutsche Schriftsteller tituliert, ist auch das literarische Werk Maxim Billers bis auf den sagenumwogenden, verbotenen Roman „Esra“ den meisten Kritikern unbekannt. Diejenigen Biller-Kritiker, die sich skeptisch an den 900 Seiten starken Roman „Biografie“ trauen, finden wahrscheinlich Grund zur Kritik, eine leichte Lektüre ist dieser Text nicht. Wer aber durchhält, wird mit dem unverwechselbaren, einzigartigen Biller-Sound, viel Humor und einem großen Werk der deutschen Gegenwartsliteratur belohnt. Weiterlesen

Zeruya Shalev: Der dunkle Pathos des Schmerzes

Die Frage, inwieweit ein einzelner Moment unser Leben verändern kann, berührt das menschliche Dasein bis ins Essentiellste. Daher würde man annehmen, dass auch jeder Mensch in gleichen Maßen davon betroffen ist. Allerdings gibt es Orte auf dieser Welt, in der das Schicksalshafte mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit in das Leben treten kann. Ein solcher Ort ist Israel: Immer wieder erschüttert von Terroranschlägen könnte hier das Nachdenken darüber, was das Narrativ des eigenen Lebens eigentlich zusammenhält, nicht virulenter sein. Diesem Thema hat sich Zeruya Shalev in ihrem neusten Roman „Schmerz“ versucht anzunähern. Weiterlesen