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Jörg Späters „Siegfried Kracauer“: Ein vergessener Mann

In dem Moment als die Literaturwissenschaft die weibliche Literatur der Weimarer Republik und ihre Protagonistinnen wie Irmgard Keun, Vicky Baum oder Marieluise Fleißer wiederentdeckte, entdeckte sie auch Siegfried Kracauer für sich neu. Er hatte den zentralen Text zu dem Milieu geschrieben, das die Autorinnen immer wieder beschrieben: die Angestellten. Dass Kracauer überhaupt wiederentdeckt werden muss, scheint befremdlich. Doch Kracauer war ein höchstintelligenter Hansdampf in allen Gassen, was für die Rezeption immer eine Schwierigkeit darstellt. Wer fühlt sich für ihn zuständig? Die Literaturwissenschaften? Die Filmwissenschaften? Die Soziologie? Kracauer bespielte alle diese Felder, meist immer mit Bravour. Diesem „vergessenen Mann“, wie er sich selbst bezeichnen sollte, widmet Jörg Später nun die erste umfassende Biographie und gibt einen Eindruck von einem Epochenumbruch und einem, der diesen wie kaum ein anderer zu beschreiben wusste. Weiterlesen