Schlagwort: Juli Zeh

2017: Zehn Bücher zum Vergessen

Auch in diesem Jahr gab es neben manchen Highlights wieder diejenigen Bücher, die einen fast um den Verstand gebracht, einen gequält und gepeinigt haben. Bei manch einem Buch war die Katastrophe schon fast mit eingeplant, andere sind mit großen Vorschusslorbeeren eingegangen und haben dann umso mehr enttäuscht. Hier also die wie immer völlig objektive und ultimative Liste der schlechtesten Bücher des Jahres 2017: Weiterlesen

Juli Zehs „Leere Herzen“: Was ist Populismus?

Haben Sie auch so eine Angst? Glauben Sie, dass mit dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen das Ende der Demokratie gekommen ist? Dass Angela Merkel die letzte aufrechte Regierungschefin sein wird, bevor der faschistische Sturm der Barbaren das Land übernimmt? Möglicherweise ist das der Grund, weshalb Sie sich hinter einer frischgezapften Bio-Rhabarberschorle auf dem schwedischen Design-Sofa verkriechen? Ist die Gegenwart nicht furchtbar hektisch geworden? Und diese neuen Medien! Machen alles so furchtbar schnell, chaotisch und unübersichtlich. Vielleicht sollte man nach draußen ziehen, aufs Land. Aber das wäre ja auch schon wieder so zeitgenössisch! Diese schreckliche Landlust mit artgerechter Tierhaltung und zwei Kind-Familie – natürlich mit klassischen Namen wie Charlotte-Sophie und Maximilian-Friedrich. Ist schon verrückt unsere Gegenwart, gell? Hat sich auch Juli Zeh gedacht und den vielleicht dümmsten Roman des Jahres geschrieben. Weiterlesen

Juli Zehs „Unterleuten“: Die Hölle, das sind die anderen

Die Beziehung zwischen Berlin und Brandenburg war schon immer eine ganz besondere. Normalerweise interessiert sich das Zentrum nicht besonders für die Peripherie, solange sich das Umland – ganz im marxistischen Sinne – nur freigiebig vom Zentrum ausbeuten lässt. Anders hier. Die Mark Brandenburg hat die Hohenzollern groß gemacht, mit Berlin wurden nicht alle auf dem Preußenthron warm, zeitweise war Potsdam der politisch wichtigste Ort für das Königreich. Spätestens im 20. Jahrhundert schien sich dieses Zentrum-Peripherie-Gefüge zu normalisieren – bis zur Wende. Plötzlich strömten aus dem Westen Gutbetuchte in die Hauptstadt, die vor lauter Zuzug bald selbst schon wieder die Nase voll hatten, denn wer will schon da wohnen, wo alle wohnen. Und so suchten sie sich ein neues Ziel und fanden es im Brandenburger Speckgürtel. Seit dem versuchen sich Naturverliebte, Impfgegner und andere Wohlstandsverrückte in alternativen Lebensentwürfen und haben eine neue Form der Ausbeutung gefunden. Denn den politischen Ansichten der Neubewohner haben sich die Eingesessenen zu fügen. So könnte man die Geschichte erzählen. Oder ganz anders. Genau darum geht es Juli Zeh in ihrem neuen Roman „Unterleuten“. Weiterlesen

Literarisches Quartett: In der Fernsehhölle geht (noch) nichts auf

Fernseh-Piloten sind eine prekäre Sache: Auf der einen Seite sollen sie Zuschauer gewinnen und den Ton für folgende Episoden setzen, auf der anderen Seite muss sich genau dieser Ton meist noch finden. Oftmals haben die großen Fernsehsendungen grauenhaft-langweilige Anfänge. Gestern Abend war es schließlich soweit, das Literarische Quartett wurde aus den Untiefen des ZDF-Archiv geborgen und neu aufgesetzt. Langweilig war es nicht, aber der Zuschauer merkte jede Minute: Hier muss sich noch einiges zurechtruckeln, auch weil das ZDF für jede mutige Entscheidung doppelt so viel Mutlosigkeit zeigt. Weiterlesen