Schlagwort: Julian Barnes

Julian Barnes‘ „The Noise of Time“: Uhrwerk Literatur

Am Anfang von Julian Barnes‘ neuen Roman heißt es: „What did a name matter? He had been born in St. Petersburg, started growing up in Petrograd, finished growing up in Leningrad. Or St. Leningsburg, as he sometimes liked to call it. What did a name matter?“ Die Gleichgültigkeit gegenüber Namen ist insofern beachtlich, weil „The Noise of Time“ mit einem ganz konkreten Namen verbunden ist: dem russischen Komponisten Schostakowitsch. Diesem erging es schlimm unter dem sowjetischen Regime, wenn auch nicht ganz so schlimm wie vielen anderen. Julian Barnes macht aus seiner konkreten Biographie eine Parabel auf Künstlerschaft im Angesicht von totalitären Regimen, derer Beispiele es viele gab. In diesem Sinne: What did a name matter? Weiterlesen

Franzobels „Das Floß der Medusa:“ Die Titanic, die eine Arche war

Wer heute den Louvre in Paris besucht und sich an den Touristenmassen vor der Mona Lisa vorbeigedrückt hat, für den ist die zweite Hürde, die es zu überwinden gilt, der Trubel vor Géricaults „Floß der Medusa“. Zu seiner Zeit ein Skandal ist es heute eines der berühmtesten Gemälde der frühen Moderne. Nicht nur für Besucherströme ist es ein Fixpunkt, auch die Literatur hat die Geschichte um die hilflos auf dem Meer herumtreibenden Seeleute und vor allem deren mediale Repräsentation fast zu jeder Epoche bewegt. Peter Weiss las in seiner „Ästhetik des Widerstands“ das Schicksal der Seeleute als Verrat an der Arbeiterklasse, Julian Barnes ulkte über Géricaults Versuch, über Gespräche mit Überlebenden und Leichenschauen ein authentisches Bild der Vorkommnisse zu fixieren. Nun hat sich der österreichische Schriftsteller und Klarnamenverweigerer Franzobel sich dem Stoff gewidmet und mit „Das Floß der Medusa“ das Buch der Stunde geschrieben, ohne sich dem Aktualitätswahn zu verschreiben. Weiterlesen