Schlagwort: Katja Petrowskaja

Wurzellos: Natascha Wodins „Sie kam aus Mariupol“

Wodin: Sie kam aus Mariupol

Texte zwischen Fiktion und autobiographischem Schreiben haben Konjunktur. Nachdem Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ im letzten Jahr auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und von vielen schon als sicherer Gewinner gehandelt wurde, wurde Natascha Wodin mit ihrem Buch „Sie kam aus Mariupol“ nun mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: „Dieses Buch trägt auch ausdrücklich nicht die Bezeichnung Roman. Doch an der Grenze von Fiktion und Nichtfiktion, wo es angesiedelt ist, betreibt es autobiografisches Schreiben mit einem hohen Maß an Selbstreflexion und romanhaftes Schreiben auf der Grundlage von Lidias Tagebüchern. In diesem genreüberschreitenden Sinn ist es unerhört zeitgenössisch.“ Zeitgenössisch – ja, sicher. Aber wie ist es um den literarischen Wert dieses Textes bestellt? Weiterlesen

Eugen Ruge: Den Blick nach Osten

Die deutsche Literatur schaut in den Osten – und der Osten schaut zurück. Olga Grjasnowa, Katja Petrowskaja oder Nino Haratischwili sind Repräsentantinnen einer unübersehbaren Bewegung von deutschen Schriftstellerinnen, die ihre Wurzeln in Osteuropa haben und in deutscher Sprache die verlassene oder verlorengegangene Heimat thematisieren. Auch Eugen Ruge hat seine ersten Lebensjahre in Russland verbracht und passt gleichzeitig so gar nicht in diese Reihe. Er ist in jenem sibirischen Tiefland geboren, in das sein Vater, Wolfgang Ruge, deportiert wurde. Damit bildet seine Biographie das Muster für eine intrikate Konstellation: Die Sowjetunion als Vorbild realsozialistischen Welt, das gleichzeitig dessen Schlächter ist.

2011 kam sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ heraus, der genau diese Konstellation aufgreift. Weiterlesen