Schlagwort: Kausalität

Gerhard Falkners „Romeo oder Julia“: Es kann nur einen geben

He did it again: Nachdem Falkner letztes Jahr schon sein Buch auf die Longlist des Deutschen Buchpreis hieven konnte, hat er es nun mit seinem neuen Roman „Romeo oder Julia“ auf die Shortlist geschafft. Letztes Jahr hatte er mit „Apollokalypse“ eine deutsche Mentalitätsgeschichte abgeliefert und über den Zusammenhang zwischen Eros und Zerstörungswut sinniert. Obwohl Falkners Buch zu den besseren Anwärtern auf der letztjährigen Liste zählte, merkte man „Apollokalypse“ auch die Schwierigkeiten an, die der Romandebütant mit einer Gattung hatte, die bislang nicht zu seinem Repertoire gehörte. Nun, mit „Romeo oder Julia“ sitzt Falkner schon deutlich fester im Sattel und arbeitet sich am Ereignisbegriff ab. Weiterlesen

Alexander Kluge: Zirkusdirektor des Zufalls

Alexander Kluge ist das große Hintergrundrauschen unserer Zeit: Schlafverweigerern führt er mit seinen Formaten wie „10 vor 11“ oder „News & Stories“ durch die Nacht, seit er sich durch seinen Husarenstreich erfolgreich im Privatfernsehen festgesetzt hat und ihn bislang niemand vom Hof jagen konnte. Er drehte richtungsweisende Filme, schreibt Bücher, ist im Spiegel zu lesen und produziert andere Fernsehformate. Alexander Kluge war immer anwesend, wenn sich in der Nachkriegs-BRD Orte der Relevanz ausgebildet haben: So war er 1962 auf der Tagung der Gruppe 47, war einer der Mitverfasser des Oberhausener Manifests und darüber hinaus im Umfeld der Frankfurter Schule umtriebig. Kaum ein Intellektueller kann den Werdegang des 20. Jahrhunderts so glaubhaft bezeugen wie Alexander Kluge. Dass er nicht das kulturelle Aushängeschild Deutschlands ist, liegt wohl weniger daran, dass er nicht mit dem genialischen Rüstzeug gewappnet wäre, sondern eher an der Tatsache, dass die Person Kluge hinter seinen zahlreichen Formaten unsichtbar bleibt. Er ist, wie in seinen Fernsehsendungen, die Stimme aus dem Off, die die Menschen zum Reden und die Gedanken zum Kreisen bringt. Weiterlesen