Schlagwort: Klimawandel

Marie Darrieussecqs „Unser Leben in den Wäldern“: Auge um Auge

Der Wald ist – wie schon öfter an dieser Stelle beobachtet – eine der zentralen Topographien der deutschsprachigen Literatur: mal magisch-romantisch, mal schaurig-grausam, meist ein Ort der Einsamkeit, selten jedoch Schauplatz von Zukunftsszenarien. Anders bei Marie Darrieusecq: In ihrem neuen dystopischen Roman „Unser Leben in den Wäldern“ wird der Wald Rückzugsraum für diejenigen, die sich von der Gesellschaft lossagen und dem herrschenden System zu entkommen versuchen. Weiterlesen

Omar El Akkads „American War“: Beim Benzin hört der Spaß auf

A house divided against itself cannot stand – so beschrieb Abraham Lincoln einst die politische Situation, die in den USA zum Bürgerkrieg führte. Die gesellschaftliche Polarisierung, die sich an der Frage der Sklaverei entzündete, brachte die amerikanische Gesellschaft schließlich in eine Situation, in der schließlich nur noch die militärische Auseinandersetzung eine Lösung bringen sollte. Lösung – ja und nein. Der Bürgerkrieg schaffte die inhumane Institution der Sklaverei ab und befreite Abertausende aus der Willkür der reichen Plantagenbesitzer des Südens. Auf der anderen Seite, schaut man heuer nach Charlottesville, sind die Tiefenspuren dieses Konflikts immer noch erkenn- und spürbar. Kein Wunder also, dass die Thematik der Sklaverei und des Bürgerkriegs omnipräsent sind in Film und Literatur. So wie in Omar El Akkads „American War“. Weiterlesen

Stanislaw Lems „Die Astronauten“: Untergang eines Planeten

Das Jahr 2003 war aufregend: Im März begann die Koalition der Willigen den Dritten Golfkrieg, der schlussendlich in der Besetzung des Iraks resultierte, Arnold Schwarzenegger wurde Gouverneur von Kalifornien, der dritte „Herr der Ringe“-Film erschien in den Kinos und das Weichtier des Jahres war die bauchige Windelschnecke. Der polnische Autor Stanislaw Lem feierte in diesem Jahr seinen 82. Geburtstag. Rund fünfzig Jahre früher hatte er sich schon mal Gedanken gemacht, wie 2003 aussehen könnte. „Die Astronauten“ erzählt von einer kommunistischen Weltgesellschaft, die sich mit dem Klimawandel und seinen Folgen herumschlägt und dabei eine hundertjährige Flaschenpost aus dem All mit bedrohlicher Botschaft entdeckt. Höchste Zeit, dem Absender einen Besuch abzustatten. Weiterlesen